Sie sind hier

  1. Start
  2. Presse
  3. Pressemitteilungen
  4. 21. Welt AIDS Konferenz...

21. Welt AIDS Konferenz endet hoffnungsvoll

Es war das zweite Mal, dass die größte wissenschaftliche Konferenz zu HIV und Aids in Durban, Südafrika statt fand. Sie stand ganz im Zeichen des Ziels, Aids bis 2030 zu beenden. Trotz aller Hürden und Rückschläge herrschte Optimismus vor, dass das Ziel erreicht werden könnte.

Es gibt allen Grund, optimistisch zu sein: 17 Millionen Menschen sind inzwischen in Behandlung, aus einer todbringenden Erkrankung ist eine effektiv behandelbare, chronische Infektion geworden. Die Möglichkeiten der Behandlung werden sich durch neue Wirkstoffe und Anwendungsformen weiter vereinfachen.

Auch in der Prävention tut sich einiges: Das Wissen, dass Menschen unter funktionierender  HIV-Therapie nicht mehr infektiös sind, hat sich endgültig durchgesetzt. Die Forschung an Mikrobiziden und Impfstoffen scheint in eine vielversprechende Phase zu treten; die Präexpositionsprophylaxe erweitert bereits als wirksam bekannte Präventionsformen, wie Kondomgebrauch und Verhaltensänderung. Mehr und mehr Länder setzen die ‚Test and Treat‘ Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation um, wonach jedem/r HIV-Positiven nach Diagnosestellung eine Behandlung angeboten werden sollte. Südafrika geht mit gutem Beispiel voran: bereits 3,4 Millionen Menschen mit HIV erhalten derzeit HIV-Medikamente, alle 7 Millionen Menschen mit HIV im Land sollen zukünftig zeitnah therapiert werden.

Bei Kindern wurden in den vergangenen Jahren besonders weitreichende Fortschritte erzielt: Inzwischen haben weltweit knapp die Hälfte aller HIV-positiven Kinder Zugang zu Behandlung. Die Infektionen durch Mutter-Kind Übertragungen sind deutlich zurückgegangen.

„Wir können uns aber nicht auf den Erfolgen der letzten Jahre ausruhen‘, betont Astrid Berner-Rodoreda, Specherin des Aktionsbündnis gegen AIDS. ‚Wenn die Weltgemeinschaft jetzt nicht investiert, werden bis zum Jahr 2020 nicht die Zwischenziele erreicht, die für ein Ende von Aids notwendig sind. Bei den Erwachsenen gehen die Neuinfektionen kaum zurück. Hier müssen wir alles einsetzen, was wir in der Prävention zur Verfügung haben und wir müssen vor allem dafür sorgen, dass die Hindernisse zu HIV-Tests und zum Zugang zur Behandlung überwunden werden. Das bedeutet zum einen, dass kriminalisierende, gegen Drogengebrauchende, Sexarbeitende und Männer, die Sex mit Männern haben gerichtete Gesetze zurückgenommen werden müssen.  Zum anderen bedeutet das, dass gezielter und fundierter aufgeklärt werden muss, so dass Stigma überwunden werden kann. Kliniken und öffentliche Gesundheitsdienste sollten ihre Arbeit so umstellen, dass alle mit Respekt behandelt und nicht wegen ihres HIV Status, wegen Drogengebrauchs oder ihrer sexuellen Orientierung ausgegrenzt werden. Es gilt vermehrt Gruppen zu erreichen, die bisher kaum durch Testprogramme erreicht wurden: dazu gehören auch Männer, die knapp die Hälfte aller Menschen mit HIV ausmachen, aber den Frauen sowohl beim Testen, wie auch bei der Behandlung weit hinterherhinken“.

Während der Konferenz wurden mehr als auf allen anderen Konferenzen der letzten Jahre die hohen Medikamentenpreise problematisiert. Mondpreise, wie sie in Europa, USA und manchen anderen Regionen für HIV und Hepatitis C Medikamente anfallen, wurden skandalisiert. Es wurde dargestellt, wie viel billiger Generika sind und was der tatsächliche Herstellungspreis der Medikamente ist. Eine neue angemessene Forderung wurde laut: 90 Dollar für die HIV-Therapie pro Person und Jahr, 90 Dollar für die Hepatitis B-Therapie und 90 Dollar für die hochwirksame 12-wöchige Hepatitis C-Therapie! Er wurde deutlich, dass das bestehende Patentrecht auf Medikamente eine Barriere für den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten darstellt.

Unüberhörbar war der Ruf nach einer vollen Finanzierung des Globalen Fonds. Das muss bei der Wiederauffüllungskonferenz im September dieses Jahres erreicht werden. Deutschland kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Die internationale Gemeinschaft erwartet, dass die Bundesregierung endlich den Beitrag für den Globalen Fonds zur Verfügung stellt, der der Wirtschaftskapazität unseres Landes entspricht. Im Durchschnitt der kommenden Jahre sollten mindestens 400 Millionen Euro aufgebracht werden.

Besonders erfreulich auf dieser Konferenz war, dass der Gesundheitssituation von Gefangenen viel Augenmerk geschenkt wurde. Vielleicht ist dies Nelson Mandela geschuldet, dem weltweit wohl berühmtesten Gefangenen, der sich wie viele andere in Haft eine Tuberkulose zuzog. Die Fachzeitschrift LANCET widmet der ‚Gesundheit in Haft’ eine Sonderausgabe, die während der Konferenz diskutiert wurde. Die sogenannten ‚Mandela Rules’ sehen vor, dass Gefangenen die gleichen Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge zur Verfügung gestellt werden wie der Allgemeinbevölkerung.

Man kann Südafrika zu einer erfolgreich durchgeführten Konferenz gratulieren! Jetzt bleibt zu hoffen, dass die positiven Signale, die von Durban ausgehen, aufgegriffen werden und weitere Länder dem Beispiel Südafrikas folgen.

Pressekontakt: Peter Wiessner, Referent für Advocacy und Öffentlichkeitsarbeit, Tel: 030 275 824 03 oder 0163 456 85 14 wiessner@aids-kampagne.de

Aktionsbündnis gegen AIDS, 2017