Sie sind hier

  1. Start
  2. Themen
  3. G7 und G20

G7 und G20

Die Staats- und Regierungschefs werfen während des G20-Gipfels 2021 Glücksmünzen in den Trevi-Brunnen in Italien (Foto: Divulgação/G20 Italy

Die G7 (Gruppe der Sieben) ist ein Zusammenschluss führender Industrienationen – Deutschland, USA, Japan, Kanada, Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich – die sich regelmäßig zu wirtschafts- und sicherheitspolitischen Fragen austauschen. Die G20 (Gruppe der Zwanzig) ist breiter aufgestellt und umfasst neben den G7-Staaten auch wichtige Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Südafrika. Gemeinsam repräsentieren sie rund 80 % der globalen Wirtschaftsleistung. Der zentrale Unterschied liegt in der Zusammensetzung: Die G7 ist exklusiver und westlich geprägt, während die G20 eine größere geopolitische und wirtschaftliche Vielfalt abbildet.

Beide Formate folgen einem jährlichen Vorsitz: Das jeweilige Gastgeberland setzt eigene inhaltliche Schwerpunkte, die in einem vorbereitenden Prozess diskutiert und in Abschlusserklärungen dokumentiert werden. Globale Gesundheit spielt dabei häufig nur eine Nebenrolle – obwohl z. B. die Gründung des Globalen Fonds auf Initiative des G8-Treffen 2001 in Genua zurückgeht. 

Rolle der Zivilgesellschaft 

Die Zivilgesellschaft ist über Formate wie Civil7 (C7) und Civil20 (C20) in die G7- und G20-Prozesse eingebunden. Ziel dieser Beteiligung ist es, politische Prozesse aus zivilgesellschaftlicher Perspektive kritisch zu begleiten und Empfehlungen zu zentralen Themen wie sozialer Gerechtigkeit, Klima, globaler Gesundheit und nachhaltiger Entwicklung einzubringen. Die Qualität dieser Beteiligung hängt jedoch maßgeblich von der Offenheit und dem politischen Willen der jeweiligen Präsidentschaft ab. 

Einige Regierungen versuchen, zivilgesellschaftliche Repräsentation zu steuern, indem sie gezielt Organisationen auswählen und kritische Stimmen ausschließen. Die indische G20-Präsidentschaft 2023 setzte in dieser Hinsicht einen bedenklichen Maßstab: Durch ein stark kontrolliertes C20-Format wurde die unabhängige Mitwirkung der internationalen Zivilgesellschaft massiv eingeschränkt – sodass als Reaktion ein alternativer Beteiligungsprozess aufgebaut werden musste. 

Doch nicht nur staatliche Akteure können partizipative Prozesse unterlaufen. Mitunter sind es auch die nationalen Gastgeber*innen der zivilgesellschaftlichen Formate selbst, die – etwa durch übermäßige Regierungsnähe, Profilierungsinteressen oder das Verfolgen eigener Agenden – die Wirkungsmöglichkeiten der internationalen Zivilgesellschaft beeinträchtigen. Die kanadische G7-Präsidentschaft 2025 liefert hierfür ein besonders abschreckendes Beispiel. 

Als Aktionsbündnis gegen AIDS beteiligen wir uns aktiv an diesen Prozessen. Während der deutschen G7-Präsidentschaft 2022 koordinierten wir gemeinsam mit bis zu 180 NGOs die C7-Arbeitsgruppe "Globale Gesundheit" und entwickelten zivilgesellschaftliche Empfehlungen. Unser zentrales Anliegen: Die G7- und G20-Staaten müssen ihrer Verantwortung in der globalen Gesundheitsfinanzierung gerecht werden. Ohne ausreichende Mittel werden die Gesundheitsziele der Agenda 2030 nicht erreichbar sein. 

Präsidentschaften der kommenden Jahre 

G7: Italien (2024), Kanada (2025), Frankreich (2026) 

G20: Brasilien (2024), Südafrika (2025), USA (2026) 
(Weitere Jahre: noch nicht bekanntgegeben) 

G20-Prozess 2025: Südafrika als Gastgeber 

Nach dem erfolgreichen Vorsitz Brasiliens übernimmt Südafrika 2025 die G20-Präsidentschaft – als einziges Land Afrikas im Kreis der Zwanzig. Bereits zu Jahresbeginn sah sich die Regierung Angriffen der US-Regierung unter Präsident Trump ausgesetzt, der wegen eines umstrittenen Gesetzes zur Landenteignung von „Morden an weißen Farmern“ sprach und seine Teilnahme absagte. 

Schwerpunkte im Bereich Gesundheit: 

  • Allgemeiner Zugang zu Gesundheitsversorgung 
  • Stärkung der Basisgesundheit und des Personals 
  • Förderung lokaler Medikamentenproduktion 
  • Tuberkulose-Bekämpfung, Pandemievorsorge, Forschung 
  • Nicht-übertragbare Krankheiten, inklusive mentaler Gesundheit 
  • Rolle traditioneller Medizin 
  • Nachhaltige Gesundheitsfinanzierung 

Auch die Zivilgesellschaft wird wieder über den C20-Prozess eingebunden. Es ist vorgesehen, dass die selbstorganisierte Arbeitsgruppe „Gerechte Gesundheit für alle“ Empfehlungen zu globaler Gesundheit erarbeitet. Eingeladen sind ausdrücklich auch Organisationen außerhalb der G20-Staaten. Der G20-Gipfel 2025 findet am 22. und 23. November 2025 in Johannesburg, Südafrika, statt.  

Kanada Gastgeber der G7 

Kanada übernahm 2025 die G7-Präsidentschaft – allerdings inmitten eines nationalen Wahlkampfs. Entsprechend gering war die politische Energie für die G7-Prozesse. Die angekündigten Schwerpunkte lagen auf wirtschaftlicher Sicherheit, Klimaschutz, Demokratieförderung und globalen Krisen wie dem Krieg in der Ukraine. Globale Gesundheit spielte keine Rolle, ein Treffen der Gesundheitsminister fand nicht statt. 

Der eigentliche Gipfel (15.–17. Juni in Kananaskis, Alberta) blieb ohne gemeinsames Abschlusskommuniqué. Stattdessen veröffentlichte die kanadische Regierung thematische Einzelstatements und ein Chair’s Summary. Auch beim C7-Treffen (14.–15. April in Ottawa) setzte die Ausrichterin Cooperation Canada kaum Impulse. Besonders enttäuschend: Die erfolgreiche Arbeitsgruppe zu globaler Gesundheit wurde aufgelöst – das Thema solle „querschnittlich“ behandelt werden, was dann allerdings nicht erfolgte. Konkrete Ergebnisse blieben aus, bestehende Strukturen wurden zerschlagen.   

AKTUELLES

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

ARCHIV

, 2025