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UN-Hochrangiges Treffen zu HIV und Aids

Fortschritte der globalen HIV-Arbeit sichern und vorantreiben

UNHLM HIV 2026_Aktionsbündnis gegen AIDS_(mit Unterstützung von KI erstellt)

Am 22. und 23. Juni 2026 kommen die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in New York zum Hochrangigen Treffen zu HIV und Aids (UN High-Level Meeting on HIV/AIDS, UNHLM) zusammen. Das Treffen gilt als einer der wichtigsten politischen Prozesse der globalen HIV-Arbeit und wird zur Bewährungsprobe für eine menschenrechtsbasierte und evidenzgeleitete globale Gesundheitspolitik.

Ziel des von Botswana und Georgien geleiteten Treffens, das 25 Jahre nach der historischen UN-Generalversammlungssondersitzung zu HIV/Aids im Jahr 2001 stattfindet, ist die Verabschiedung einer gemeinsamen politischen Deklaration. Diese soll die notwendigen Schritte zur Beendigung von Aids als Bedrohung der globalen Gesundheit bis 2030 festschreiben, wie es in den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) vorgesehen ist. 

Über viele Jahre hinweg schien das Ende von Aids erstmals greifbar. Millionen Menschen erhielten Zugang zu Prävention und lebensrettender Behandlung. UNAIDS setzte dabei wichtige Standards und stellte sicher, dass Menschen mit HIV und die von ihnen vertretenen Communities in die Planung und Umsetzung von Programmen einbezogen wurden. So konnten Angebote entstehen, die sich an den tatsächlichen Bedarfen orientieren: Kinder wurden HIV-frei geboren, Drogengebrauchende erhielten Unterstützung, und Strukturen für Männer, die Sex mit Männern haben, sowie weitere LGBTIQ-Communities wurden beim Aufbau von Präventionsangeboten gestärkt. Die aktive Beteiligung von Menschen mit HIV ermöglichte zudem den Zugang zu Gesundheitsdiensten für Gruppen, die von regulären Gesundheitssystemen oft nicht ausreichend erreicht werden. Grundlage dieses Ansatzes war die Anerkennung von Gesundheit als Menschenrecht und damit auch der Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung.

Diese Fortschritte waren kein Zufall und stehen nun auf dem Prüfstand.

Was mit fehlenden Testmöglichkeiten beginnt, kann weitreichende Folgen haben, für die betroffenen Menschen, ihr Umfeld und die gesamte HIV-Arbeit. Noch immer sterben weltweit jährlich rund 570.000 Menschen an den Folgen von Aids, noch immer infizieren sich 1,2 Millionen Menschen im Jahr. Jeder ausbleibende Test, jede unterbrochene Präventionsmaßnahme und jede verzögerte Behandlung erhöhen das Risiko, dass vermeidbare Erkrankungen, Neuinfektionen und Todesfälle wieder zunehmen.

Die Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen, wie schnell Fortschritte ins Stocken geraten können, wenn politische Unterstützung, Finanzierung und der Zugang zu Gesundheitsdiensten schwinden. Umso wichtiger ist die Frage, welche politischen Signale die internationale Gemeinschaft für die kommenden Jahren setzen wird.

Bereits die Verhandlungen über die Modalitäten des Treffens haben deutlich gemacht, dass zentrale Errungenschaften der globalen HIV-Arbeit nicht mehr selbstverständlich sind. Russland brachte Anträge ein, die Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie die Benennung der von HIV besonders betroffenen sogenannten Schlüsselgruppen einzuschränken. Zudem wurde diskutiert, ob menschenrechts- und genderbezogene Formulierungen sowie sexuelle und reproduktive Rechte ausdrücklich benannt werden sollen. Vertreter*innen der USA forderten darüber hinaus, Bezüge zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen zu streichen. 

Diese Diskussionen verdeutlichen die zunehmende politische Polarisierung innerhalb multilateraler Prozesse. Erneut zeigt sich, dass inhaltliche Auseinandersetzungen zugunsten kurzfristiger politischer Interessen torpediert werden.

UNAIDS Update zeigt: erzielte Fortschritte sind bedroht 

Das aktuelle UNAIDS-Update zur globalen HIV-Situation („Global AIDS Brief 2026: United to End AIDS“) deutlich, wie viel auf dem Spiel steht. Der Bericht markiert einen Wendepunkt der globalen HIV-Arbeit, an dem sich entscheidet, ob die erzielten Erfolge fortgesetzt oder rückgängig gemacht werden. Wie es weitergeht, hängt von politischen Entscheidungen ab. Die in New York verabschiedete Erklärung wird zeigen, in welche Richtung sich die globale HIV-Arbeit künftig bewegt. 

Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt die HIV-Bekämpfung eine der größten Erfolgsgeschichten der globalen Gesundheitspolitik. Seit 2010 gingen die AIDS-bedingten Todesfälle um 56 Prozent auf 570.000 zurück. Die Zahl der Neuinfektionen sank im gleichen Zeitraum um 43 Prozent auf 1,2 Millionen. Von den weltweit 40,9 Millionen Menschen mit HIV erhalten inzwischen 32,1 Millionen (78 Prozent) eine antiretrovirale Therapie. 

Dies ist eine Erfolgsgeschichte globaler Solidarität. Dennoch erhalten weiterhin fast neun Millionen Menschen keine Behandlung. In Regionen wie West- und Zentralafrika, wo HIV-Behandlungsprogramme aufgrund von Armut und hoher Schuldenlast zu rund 90 Prozent von externer Finanzierung abhängen, drohen bei ausbleibender Unterstützung Versorgungsunterbrechungen mit steigenden Infektions- und Todeszahlen. 

Abbildung 1 Fortschritte der globalen HIV-Arbeit seit 2010: Rückgang von AIDS-bedingten Todesfällen und HIV-Neuinfektionen sowie steigender Zugang zu HIV-Therapien. Quelle: UNAIDS Global AIDS Brief 2026. Grafik: Aktionsbündnis gegen AIDS (mit Unterstützun
Abbildung 1 Fortschritte der globalen HIV-Arbeit seit 2010: Rückgang von AIDS-bedingten Todesfällen und HIV-Neuinfektionen sowie steigender Zugang zu HIV-Therapien. Quelle: UNAIDS Global AIDS Brief 2026. Grafik: Aktionsbündnis gegen AIDS (mit Unterstützun

Rückgang der globalen Entwicklungszusammenarbeit 

Die globale Entwicklungszusammenarbeit ging 2025 um 23 Prozent zurück, der stärkste jemals verzeichnete Rückgang. HIV-Programme in einkommensschwachen Ländern, die stark von externer Finanzierung abhängig sind, wurden besonders hart getroffen. 

Zwischen 2024 und 2025 sank die Zahl der HIV-Tests in Ländern mit hoher HIV-Belastung um 22 Prozent. Gleichzeitig wurden die Mittel für Kondome in einigen Fällen um mehr als 90 Prozent gekürzt. Die Nutzung der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ging in 62 berichtenden Ländern um 38 Prozent zurück. 

Abbildung 2 Auswirkungen aktueller Finanzierungskürzungen auf die globale HIV-Arbeit: Rückgänge bei HIV-Tests, PrEP und Präventionsangeboten zwischen 2024 und 2025. Quelle: UNAIDS Global AIDS Brief 2026. Grafik: Aktionsbündnis gegen AIDS (mit Unterstützun
Abbildung 2 Auswirkungen aktueller Finanzierungskürzungen auf die globale HIV-Arbeit: Rückgänge bei HIV-Tests, PrEP und Präventionsangeboten zwischen 2024 und 2025. Quelle: UNAIDS Global AIDS Brief 2026. Grafik: Aktionsbündnis gegen AIDS (mit Unterstützun

Rückschritte vor allem bei den Menschenrechten 

UNAIDS warnt zudem vor einer zunehmenden Kriminalisierung marginalisierter Bevölkerungsgruppen. Erstmals seit Beginn der Datenerhebung nimmt die Zahl entsprechender Gesetze wieder zu. 

„Die Kriminalisierung von Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem HIV-Risiko ist global weit verbreitet. Sexarbeit ist in 168 Ländern kriminalisiert, der Besitz geringer Mengen von Drogen in 152 Ländern, gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen in 66 Ländern und transgeschlechtliche Menschen beziehungsweise ihre Identität in 14 Ländern. Die Nichtoffenlegung einer HIV-Infektion, eine mögliche HIV-Exposition oder die HIV-Übertragung sind in 156 Ländern strafbar oder werden auf Grundlage allgemeiner Strafgesetze verfolgt – obwohl es nur begrenzte wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass solche Gesetze zur Verringerung von HIV-Übertragungen beitragen“ (Global AIDS Brief, S. 20), heißt es in dem Bericht. Diskriminierung und Kriminalisierung erschweren den Zugang zu Tests, Prävention und Behandlung erheblich und tragen damit zur weiteren Ausbreitung von HIV bei. 

Noch wäre das Ziel, Aids bis 2030 als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden, erreichbar, vorausgesetzt, die internationale Gemeinschaft trifft jetzt die richtigen politischen Entscheidungen. 

Das Aktionsbündnis gegen AIDS hat sich im Vorfeld des UNHLM für eine starke Beteiligung von Communities und Zivilgesellschaft eingesetzt und ist gemeinsam mit Vertreter*innen der Deutschen Aidshilfe und der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung Teil der offiziellen deutschen Delegation.

Für das UNHLM fordern wir:

  • Eine verlässliche und langfristige Finanzierung der globalen HIV-Arbeit 
  • Den universellen Zugang zu HIV-Tests, Prävention, Behandlung und Versorgung im Rahmen von Universal Health Coverage (UHC) 
  • Ein klares Bekenntnis zu einer menschenrechtsbasierten und evidenzgeleiteten HIV-Politik 
  • Eine Stärkung der Beteiligung von Communities und Zivilgesellschaft 
  • Den Schutz der Menschenrechte 
  • Die ausdrückliche Benennung der von HIV am stärksten betroffenen Schlüsselgruppen 
  • Den Schutz und Ausbau community-geführter HIV-, Präventions- und Unterstützungsangebote 


Kontakt 

Peter Wiessner, Referent für Advocacy- und Öffentlichkeitsarbeit und Mitglied der offiziellen deutschen Delegation beim UN High-Level Meeting zu HIV/Aids 2026, wird das Treffen in New York vor Ort begleiten und steht für Interviews, Hintergrundgespräche und Einschätzungen zur Verfügung.

Sie erreichen ihn unter +49 (0) 176 82 188 269 (WhatsApp) oder per E-Mail an wiessner@aktionsbuendnis-aids.de 

Das Büro des Aktionsbündnisses gegen AIDS in Berlin erreichen Sie unter +49 (0)30 279 099 97 und unter info@aktionsbuendnis-aids.de

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Weiterführende Informationen zum UNHLM vom Aktionsbündnisses gegen AIDS

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