Sie sind hier

  1. Start
  2. Debt2Health

Debt2Health

Schulden in Gesundheit investieren

Debt2Health_Aktionsbuendnis gegen AIDS

Debt2Health ist ein Instrument der Entwicklungsfinanzierung, mit dem Staatsschulden in gezielte Investitionen in Gesundheit umgewandelt werden können. Anstatt Rückzahlungen an ein Gläubigerland zu leisten, investieren Schuldnerländer die freigewordenen Mittel in Programme zur Bekämpfung von HIV/aids, Tuberkulose und Malaria oder in die Stärkung ihrer Gesundheitssysteme. Der Mechanismus wurde 2007 vom Globaler Fonds mit Unterstützung Deutschlands entwickelt und seither in mehreren Ländern umgesetzt.

Wie funktioniert Debt2Health?

Das Prinzip von Debt2Health ist klar definiert:

Ein Gläubigerland, etwa Deutschland, verzichtet auf Rückzahlungen aus früherer Entwicklungszusammenarbeit. Das Schuldnerland verpflichtet sich im Gegenzug, den vereinbarten Betrag für festgelegte Entwicklungs- und Gesundheitsprojekte bereitzustellen. Diese Mittel werden über den Globalen Fonds eingesetzt, der für Umsetzung, Monitoring und Berichterstattung verantwortlich ist. Die ursprüngliche Forderung wird aus den Büchern der Bundesregierung gestrichen. Dadurch bleiben Mittel direkt im Land, werden zweckgebunden eingesetzt und fließen in bereits bestehende nationale Gesundheitsprogramme, ohne neue Kredite.

Die deutsche Schuldenumwandlungsfazilität

Deutschland verfügt über eine eigene Schuldenumwandlungsfazilität, die im Einzelplan 23 des Bundeshaushalts verankert ist. Sie ermöglicht es der Bundesregierung, jährlich auf Rückflüsse von bis zu 150 Millionen Euro aus früherer Entwicklungszusammenarbeit zu verzichten, sofern diese Mittel für vereinbarte Entwicklungszwecke eingesetzt werden. Die Fazilität ist ein eigenständiger Haushaltstitel und unabhängig von den regulären Beiträgen Deutschlands an den Globalen Fonds. Schuldenumwandlungen über Debt2Health stellen daher keine direkte Konkurrenz zu anderen Haushaltsposten dar. Deutschland hat das Instrument in der Vergangenheit mehrfach genutzt. Die Umsetzung erfolgte in zehn Schuldenumwandlungen, die als technisch und administrativ erprobt gelten.

Rolle des Globalen Fonds

Ein zentrales Merkmal von Debt2Health ist die Umsetzung über den Globalen Fonds. Dieser verfügt über:

  • etablierte Vergabe- und Kontrollmechanismen
  • langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit nationalen Gesundheitsbehörden
  • bestehende Programme zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria
  • standardisierte Verfahren zur Wirkungsüberprüfung und Berichterstattung

Dadurch kann Debt2Health auf bestehende Strukturen aufbauen und zusätzliche Mittel vergleichsweise effizient einsetzen.

Einordnung: Chancen und Grenzen

Debt2Health ist kein Instrument zur umfassenden Bewältigung von Schuldenkrisen und ersetzt keine strukturelle Entschuldung. Auch handelt es sich nicht primär um Schuldenerlass im klassischen Sinne. Vielmehr ist Debt2Health ein gezielt einsetzbares Finanzierungsinstrument, das zusätzliche Mittel für Entwicklungs- und Gesundheitsvorhaben mobilisieren kann.  Der Anwendungsbereich bleibt begrenzt, da nur ein Teil der bestehenden Schulden für Umwandlungen geeignet ist und bilaterale Vereinbarungen erforderlich sind. Gleichzeitig bietet das Instrument dort, wo die Voraussetzungen erfüllt sind, die Möglichkeit, Schuldenabbau mit messbarer Entwicklungswirkung zu verbinden. Das Aktionsbündnis gegen AIDS hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt mit Debt2Health als Instrument des Globaler Fonds befasst und das Thema in verschiedene politische und öffentliche Formate eingebracht. Dazu gehörten Fach- und Austauschveranstaltungen mit Abgeordneten und weiteren politischen Akteur*innen, in denen Funktionsweise, Potenziale und Grenzen von Debt2Health erläutert wurden. Ergänzend wurde das Instrument im Rahmen internationaler Konferenzen und Panels diskutiert. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Einbindung von Perspektiven aus dem Globalen Süden. In Interviews und öffentlichen Gesprächen kamen Vertreterinnen aus Ländern zu Wort, die praktische Erfahrungen mit Debt2Health gesammelt haben – darunter Akteurinnen aus Indonesien, Pakistan und der Mongolei. Ihre Beiträge machten deutlich, wie Schuldenumwandlungen in konkrete Gesundheitsprogramme übersetzt werden und welche Chancen, aber auch Herausforderungen, damit verbunden sind.

Auf diese Weise wurde Debt2Health nicht nur aus institutioneller Sicht, sondern auch aus der Perspektive betroffener Länder und Communities sichtbar gemacht.

AKTUELLES

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

ARCHIV

Fortbildung

Schuldenumwandlung zur Finanzierung von HIV- und Gesundheitsprojekten?!

, 2026