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Globale Solidarität

Erinnern wir uns daran, wie wir es geschafft haben

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Ein Blog von Alexei Lakhov. Übersetzt vom Aktionsbündnis gegen AIDS. Es fühlt sich seltsam an, über globale Solidarität zu sprechen, wenn die Welt gespaltener scheint als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Zweiten Weltkrieg. Die globale HIV-Bekämpfung droht einen Teil der wissenschaftlichen und vor allem menschlichen Fortschritte zu verlieren, die sie einst zu einer der größten Errungenschaften der Geschichte gemacht haben. Der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria ist unterfinanziert. Die Vereinten Nationen sind nur knapp einer Finanzkrise entgangen, stehen aber weiterhin an einem Scheideweg.

Dabei sah alles so vielversprechend aus. Vor dreißig Jahren, im Juli 1996, wurde auf der Internationalen AIDS-Konferenz verkündet, dass die Kombinationstherapie gegen HIV wirkt. Innerhalb weniger Jahre gingen die AIDS-bedingten Todesfälle in Ländern mit hohem Einkommen um 60 bis 80 Prozent zurück. Ebenfalls 1996 nahm UNAIDS seine Arbeit auf. Es war ein Gemeinschaftsprogramm, wie es zuvor keines innerhalb der UN gegeben hatte: geschaffen, um die globale Antwort auf die Epidemie zu koordinieren – mit den am stärksten betroffenen Communities mit am Tisch. Und vor 25 Jahren, im Juni 2001, hielt die UN-Generalversammlung erstmals eine Sitzung ab, die einer einzigen Krankheit gewidmet war: HIV. Sie endete mit der Verpflichtungserklärung zu HIV/AIDS, in der sich die Mitgliedstaaten verpflichteten, ihre Ausgaben zur Bekämpfung der Epidemie deutlich zu erhöhen.

Nach all den Fortschritten seither schien es, als wären wir fast am Ziel: kurz davor, HIV bis 2030 als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit zu beenden (gut, manchmal fühlte es sich eher nach 2050 an, aber trotzdem). Es schien, als würden Regierungen trotz Kriegen und anderer humanitärer Krisen die fehlenden Milliarden aufbringen, 95-95-95 erreichen und das Ende von Aids feiern – als einen Lichtblick in der Geschichte der Menschheit, der uns für einen Moment die schlechten Nachrichten vergessen und stolz darauf sein lässt, was Menschen gemeinsam erreichen können.

Ein Wendepunkt kam tatsächlich. Nur nicht der, den wir erwartet hatten.

Im Januar 2025 fror die neue US-Regierung die Auslandshilfe ein und löste anschließend USAID auf. PEPFAR, die größte Investition, die ein einzelnes Land jemals zur Bekämpfung einer Krankheit getätigt hat, wurde von Finanzierungsstopps und Kürzungen getroffen. Insgesamt sank die internationale Gesundheitsfinanzierung gegenüber 2023 um rund 40 Prozent. Als Erstes traf es Tests, Prävention und Community-Angebote, genau jene Angebote, die Menschen erreichen, die sonst niemand erreicht.

Dann kam ein Schlag von einer Seite, von der wir ihn nicht erwartet hatten. Im September 2025 schlug UN-Generalsekretär António Guterres im Rahmen der UN80-Reform vor, UNAIDS „bis Ende 2026 auslaufen zu lassen“. Drei Monate zuvor hatte der UNAIDS-Verwaltungsrat den eigenen zweistufigen Transformationsplan des Programms beschlossen, doch der Bericht des Generalsekretärs ignorierte ihn schlicht. Für viele von uns, die in diesem Verwaltungsrat gesessen hatten, fühlte es sich an wie ein Messer im Rücken. Mehr als tausend zivilgesellschaftliche Organisationen protestierten. Nach Gesprächen mit dem Generalsekretär und seiner Stellvertreterin wurde aus „Sunset“ schließlich „Transition“ und „Transformation“. Der Plan, Funktionen von UNAIDS auf andere UN-Organisationen zu übertragen, blieb jedoch bestehen und wird derzeit umgesetzt.

Gemeinsam Aids beenden. Oder doch nicht?

Auf der AIDS2026-Konferenz im vergangenen Juli stellte UNAIDS einen Sonderbericht zu den Folgen der Kürzungen vor. 2025 sank die internationale Finanzierung für HIV in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen um 18 Prozent beziehungsweise 1,6 Milliarden US-Dollar. Es war der stärkste Rückgang seit fast zwanzig Jahren. Zwar erhöhten viele Regierungen ihre eigenen Beiträge, dennoch sank die Gesamtfinanzierung auf 17,6 Milliarden US-Dollar. Bis 2030 werden jährlich 21,9 Milliarden US-Dollar benötigt.

Eine Befragung von 79 community-geführten Organisationen in 47 Ländern ergab, dass sich die Bereitstellung von PrEP halbiert hat. Angebote für schwule Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, gingen um 85 Prozent zurück, Angebote für Sexarbeiter*innen um 82 Prozent. In den Ländern, in denen UNAIDS die Finanzierungsströme nachvollziehen konnte, erhielten Community-Organisationen 99,4 Prozent ihrer Mittel aus dem Ausland – und als diese Finanzierung wegfiel, wurde sie durch nichts ersetzt. Menschen wichen auf öffentliche Gesundheitseinrichtungen aus, in denen Stigmatisierung und Misshandlung häufiger vorkommen, und viele kamen schlicht nicht zurück.

Vom „Sunset“ zur Transformation

Nach dem Schock über den „Sunset“-Vorschlag setzte der UNAIDS-Verwaltungsrat eine Arbeitsgruppe ein, um den Übergang zu planen. Ihr Optionspapier wird am 28. und 29. September konsultiert; im Oktober wird der Verwaltungsrat darüber entscheiden.

Die erste Schlussfolgerung ist zugleich die wichtigste: Die Arbeitsgruppe lehnte den „Sunset“ einstimmig ab und stellte fest, dass das HIV-Mandat der UN fortgeführt werden muss. Statt UNAIDS zu schließen, schlägt sie vor, das Programm in einen deutlich kleineren Hub umzuwandeln, der Führung, Daten und Rechenschaftspflicht beibehält, während andere UN-Organisationen den Großteil der fachlichen Arbeit übernehmen. Die Länderbüros würden ihre Aufgaben schrittweise an gemeinsame UN-Teams und später an nationale Institutionen übergeben. Der Verwaltungsrat bleibt bestehen, und die Communities behalten ihre Sitze darin.

Für Communities gibt es einige gute neue Ideen: bezahlte Community-Positionen innerhalb des Hubs, Community-Vertreter*innen in den gemeinsamen UN-Teams und Mitbestimmung über einen gemeinsamen Fonds für die Arbeit auf Länderebene. Außerdem gibt es eine Regel, die mir gefällt: Keine Funktion wird übertragen, bevor nicht nachgewiesen wurde, dass jemand anderes sie tatsächlich übernehmen kann. Die Arbeitsgruppe schätzt, dass die gesamte Transformation höchstens 0,5 Prozent dessen kosten würde, was 2025 in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen für HIV ausgegeben wurde.

Ich begrüße den Bericht, so schwer es auch war, sich überhaupt mit diesem Szenario auseinanderzusetzen. Viele der Punkte, die Communities eingebracht haben, wurden darin berücksichtigt, und besonders wichtig: Das ECOSOC-Mandat bleibt bestehen. Die fachliche Führung kann durchaus auf andere UN-Organisationen übergehen. Aber der Hub muss stark genug bleiben, um von der globalen und regionalen Ebene bis hinunter auf die Länderebene wirken zu können. Genau dort hat UNAIDS über drei Jahrzehnte hinweg Vertrauen aufgebaut – bei Regierungen ebenso wie bei Communities. Diese Beziehungen dürfen nicht durch eine Reorganisation verloren gehen. Jede weitere Übertragung von Kernfunktionen des Hubs sollte an vereinbarte Kriterien für die Bereitschaft geknüpft sein – sowohl der nationalen Systeme als auch mit Blick auf die jeweilige Epidemie. Aufgaben von einer UN-Organisation auf eine andere zu verschieben, wird nicht viel Geld sparen. Entscheidend ist vielmehr, ob Länder, Regierungen und Communities gemeinsam eine HIV-Antwort gestalten können, die auch nach 2030 niemanden zurücklässt.

Ich habe selbst drei Jahre als NGO-Delegierter für Europa in diesem Verwaltungsrat gesessen und sehe deshalb auch, was noch fehlt. Die Mitsprache der Communities über den gemeinsamen Fonds muss verbindlich sein, und Community-Organisationen müssen Mittel direkt erhalten können – nicht ausschließlich über UN-Organisationen. „An nationale Institutionen übergeben“ kann nicht überall dasselbe bedeuten, insbesondere nicht in einem Land, das Menschen wegen Drogenkonsums inhaftiert oder gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisiert. Und die UN-Organisationen, die künftig für die Umsetzung zuständig sein sollen, haben in ihren eigenen Leitungsgremien keine Sitze für Communities.

Der Globale Fonds: noch da, aber mit weniger Mitteln

Der Globale Fonds geriet in denselben Sturm und hat sich besser gehalten, als viele erwartet hatten. Sein in diesem Monat veröffentlichter Ergebnisbericht zeigt, dass 2025 in den von ihm unterstützten Ländern 26,9 Millionen Menschen eine HIV-Behandlung erhielten, gegenüber 25,6 Millionen im Vorjahr. 7,4 Millionen Menschen wurden gegen Tuberkulose behandelt und 196 Millionen Moskitonetze verteilt. Der Fonds begann außerdem mit der Einführung von Lenacapavir, der zweimal jährlich verabreichten Injektion zur HIV-Prävention. Exekutivdirektor Peter Sands sagte auch offen, dass die HIV-Prävention stark getroffen wurde und einige Länder deutlich stärker betroffen waren als andere. Er betonte, dass der Fonds seinen Fokus auf Schlüsselgruppen beibehält. In einer Zeit, in der sich die USA von ihnen abwenden, ist das von großer Bedeutung.

Doch die Mittel werden knapper. Bei der Wiederauffüllung in diesem Frühjahr sagten die Geber 12,64 Milliarden US-Dollar für den nächsten Dreijahreszyklus zu. Zur Erinnerung: Das Ziel lag bei 18 Milliarden US-Dollar, und vor drei Jahren waren noch 15,7 Milliarden US-Dollar zusammengekommen. Das sogenannte Team Europe sagte etwas mehr als drei Milliarden Euro zu – gegenüber 4,3 Milliarden Euro zuvor. Deutschland sagte eine Milliarde Euro zu, nach zuvor 1,3 Milliarden Euro. Die Europäische Kommission kürzte ihre Zusage nur leicht, aber auch sie kürzte. Und der deutsche Haushaltsentwurf für 2027 sieht weitere Kürzungen bei der globalen Gesundheit vor.

Mit weniger Geld konzentriert der Fonds seine Mittel stärker auf die ärmsten Länder mit der höchsten Krankheitslast und beschleunigt andernorts den Übergang aus der Förderung. Ich verstehe die Logik dahinter, aber ich weiß auch, was das für meine Region bedeutet. Die meisten Länder in Osteuropa und Zentralasien sind Länder mit mittlerem Einkommen. Wenn sich der Globale Fonds zurückzieht, werden Schadensminderung und Community-Angebote zunehmend von staatlicher Finanzierung abhängig. Viele dieser Regierungen betrachten Menschen, die Drogen konsumieren, jedoch als Kriminelle und HIV-NGOs als „ausländische Agenten“ und dieses Gift der Ausgrenzung breitet sich in Osteuropa und Zentralasien weiter aus.

Der Globale Fonds und UNAIDS brauchen einander.

Denn der Fonds finanziert Angebote, während UNAIDS erfasst, wer erreicht wird und wer nicht – und dies auch dann laut ausspricht, wenn Regierungen es lieber nicht hören würden. Wird eine der beiden Institutionen geschwächt, wird auch die Arbeit der anderen beeinträchtigt oder der menschenrechtliche Ansatz der globalen HIV-Bekämpfung verliert an Gewicht.

Erinnert euch an 1995

Gerade erleben wir einen weiteren Ebola-Ausbruch und im Kleinen wiederholt sich dieselbe Geschichte: Die Instrumente, um das Virus einzudämmen, sind vorhanden, doch das System, das sie zu den Menschen bringen soll, schmilzt dahin. Fünf Jahre nachdem COVID gezeigt hat, was passiert, wenn ein solches System fehlt, können sich die Länder noch immer nicht auf den Anhang zum Pandemieabkommen einigen, der ein System für den Zugang zu Krankheitserregern und den Vorteilsausgleich, Pathogen Access and Benefit-Sharing (PABS), schaffen soll. Und globale Solidarität fühlt sich inzwischen an wie etwas aus einer weit, weit entfernten Galaxie.

Vielleicht ist es also an der Zeit, sich daran zu erinnern, wie die Menschheit 1995 gemeinsam auf die Aids-Krise reagierte.

Die Welt war damals nicht freundlicher als heute. Es gab keine Behandlung, Menschen mit HIV wurden gefürchtet und versteckt, und viele Regierungen taten so, als sei die Epidemie das Problem anderer. Und trotzdem einigten sich sechs UN-Organisationen darauf, in einem gemeinsamen Programm zusammenzuarbeiten, und ECOSOC schuf einen Verwaltungsrat, in dem Menschen mit HIV gemeinsam mit Regierungen am selben Tisch saßen. So etwas hatte es bei den Vereinten Nationen noch nie gegeben. Ein Jahr später kam die Kombinationstherapie. Wenige Jahre danach gelang es Aktivist*innen, Generikaherstellern und einer Handvoll Regierungen, die jährlichen Behandlungskosten von mehr als 10.000 US-Dollar auf rund 140 US-Dollar zu senken. Dann kamen der Globale Fonds und PEPFAR.

Das geschah nicht, weil die Welt geeint war. Es geschah, weil genügend Menschen entschieden, dass es nicht hinnehmbar war, andere an einer behandelbaren Krankheit sterben zu lassen – und weil sie Jahr für Jahr bereit waren, dafür zu bezahlen.

Im Oktober entscheidet der UNAIDS-Verwaltungsrat darüber, wie das Gemeinschaftsprogramm künftig aussehen wird. Geber entscheiden gerade darüber, wie stark sie ihre Beiträge kürzen. Auch die Menschen, die 1995 an diesem Tisch saßen, wussten nicht, wie es ausgehen würde. Sie taten es trotzdem – und einige von ihnen erlebten nicht mehr, dass es funktionierte.

Das Mindeste, was wir tun können, ist, das Erreichte nicht wieder rückgängig zu machen.

Alexei Lakhov war von 2022 bis 2024 NGO-Delegierter für Europa im Programme Coordinating Board von UNAIDS. Er ist Executive Director des European Network of People who Use Drugs (EuroNPUD) und unabhängiger Berater zu Schadensminderung, HIV, Hepatitis und Drogenpolitik in Osteuropa und Zentralasien.

Mehr zur Kampagne: TOGETHER WE SAVE LIVES

, 2026