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Ergebnisbericht des Globalen Fonds 2026

The Global Fund/Vincent Becker

Der neue Ergebnisbericht des Globalen Fonds (Global Fund Results Report 2026) vermittelt ein eindrucksvolles Bild der Wirkung von mehr als zwei Jahrzehnten globaler Investitionen in HIV, Tuberkulose und Malaria. Gleichzeitig beschreibt der Bericht 2025 als ein Jahr erdbebenhafter („seismic change“) Veränderungen: zu nennen sind hier vor allen voran die abrupte Kürzungen der internationalen Gesundheitsfinanzierung, lebenswichtige Angebote wurden unterbrochen, bereits erzielte Fortschritte gefährdet. Die Auswirkungen sind dabei sehr unterschiedlich: Während einige Länder ihre Programme relativ stabil fortführen konnten, wurden Menschen in anderen Ländern erheblich getroffen.

Die erzielten Ergebnisse sind real und beeindruckend, aber nicht selbstverständlich. Sie hängen von kontinuierlicher Finanzierung, funktionierenden Gesundheitssystemen und starken, handlungsfähigen Communities ab. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzierungskrise stellt sich deshalb die Frage, wie diese Fortschritte geschützt werden können, wenn internationale Unterstützung zurückgeht.

Die Erfolge zeigen, warum der Global Fund wichtig bleibt

Die Zahlen für 2025 zeigen die enorme Reichweite der Global-Fund-Investitionen: 26,9 Millionen Menschen erhielten eine antiretrovirale HIV-Therapie. 10 Millionen Menschen wurden mit HIV-Präventionsangeboten erreicht, darunter 6,2 Millionen Menschen aus Schlüsselgruppen. 12,1 Millionen HIV-Tests wurden für priorisierte Schlüsselgruppen durchgeführt. Gleichzeitig erhielten 7,4 Millionen Menschen eine TB-Behandlung und 196 Millionen mit Insektiziden behandelte Moskitonetze wurden verteilt.

Auch die langfristige Wirkung ist beträchtlich. In den Ländern, in denen der Global Fund investiert, gingen die Aids-bedingten Todesfälle zwischen 2002 und 2025 um 77 Prozent und die HIV-Neuinfektionen um 64 Prozent zurück. Bei TB sanken die Todesfälle zwischen 2002 und 2024 um 43 Prozent, bei Malaria um 27 Prozent.

Diese Zahlen sind ein starkes Argument für internationale Solidarität. Sie zeigen, was möglich ist, wenn Ressourcen langfristig zur Verfügung stehen und Communities, Regierungen und internationale Partner*innen gemeinsam handeln.

2025 zeigt die Verletzlichkeit dieser Erfolge

Der Bericht benennt die Folgen der internationalen Finanzierungskrise: Kürzungen, humanitäre Krisen und Zugangsbarrieren haben HIV-Programme unter Druck gesetzt und insbesondere die am stärksten gefährdeten Menschen getroffen. Auch bei TB haben Finanzierungskürzungen Programme gestört und den Fortschritt verlangsamt. Bei Malaria konzentrierte sich die Arbeit 2025 unter anderem darauf, die bestehende Versorgung mit Moskitonetzen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Resilienz darf in diesem Zusammenhang nicht mit der Fähigkeit verwechselt werden, immer größere Finanzierungslücken zu kompensieren oder zynisch alleine in den Bereich der Verantwortung betroffener Länder zu stellen („Country Ownership“). Dass Programme trotz der Einschnitte teilweise weiterfunktionierten, ist auch der Stärke lokaler Organisationen, Gesundheitsarbeiter*innen und Community-Strukturen zu verdanken. Diese Strukturen benötigen jedoch selbst verlässliche Finanzierung.

Eine wichtige Leerstelle des Berichts bleibt, dass er nur begrenzt quantifiziert, welche Community-Angebote konkret ausgefallen, reduziert oder gefährdet sind und welche Folgen dies für einzelne Schlüsselgruppen hat. Für eine Community-orientierte Bewertung wären Daten zu Serviceunterbrechungen, weggefallenen Präventionsangeboten und zur Entwicklung von Stigma, Diskriminierung und Gewalt besonders relevant.

Diese Lücke wird teilweise durch die PEPFAR-PULSE-Studie geschlossen, über deren Ergebnisse wir hier bereits mehrfach berichtet haben.

Community-Systeme als eigenständige Säule

Positiv hervorzuheben ist die stärkere Betonung von Gesundheits- und Community Systemen. Der Global Fund investiert zwischen 2024 und 2026 rund 5,9 Milliarden US-Dollar in diesem Bereich, 43 Prozent mehr als im vorherigen Finanzierungszyklus. Dazu gehören unter anderem auch die Stärkung und Unterstützung von Gesundheitsfachkräften, Lieferketten, Laboren, sowie der Bereich digitale Gesundheit und Monitoring. 117.000 Community Health Workers wurden geschult; mehr als 7.400 Gesundheitseinrichtungen führten auf Beobachtungs- und Kontrollfunktionen („Community-led Monitoring“) ein.

Aus unserer Perspektive ist dies besonders wichtig. Community-led Monitoring ist nicht lediglich ein technisches Instrument zur Verbesserung von Programmen, sondern ein Instrument für Rechenschaft, Beteiligung und die Sichtbarkeit von Problemen, die in staatlichen Gesundheitsstatistiken häufig nicht auftauchen, bspw. weil sie vertuscht werden sollen. Und wer sollte darüber berichten, wenn nicht Vertreter*innen der Communities?

Der Bericht erkennt zugleich an, dass Stigma, Diskriminierung, Gewalt, geschlechtsspezifische Ungleichheit und Kriminalisierung den Zugang zu HIV-, TB- und Malariadiensten weiterhin behindern. Mit der „Breaking Down Barriers-Initiative“ werden in 24 Ländern durch Communities geführte, gender-responsive Ansätze und Organisationen unterstützt. Die Herausforderung besteht darin, diese Ansätze nicht als ergänzende Projekte, sondern als dauerhaften Bestandteil nationaler Gesundheitsversorgung und Finanzierung zu verankern. Gerade dort, wo Menschen diskriminiert oder kriminalisiert werden, können staatliche Gesundheitssysteme Community-Strukturen nicht einfach ersetzen.

Innovationen: Zugang und Bezahlbarkeit bleiben entscheidend

Der Bericht hebt wichtige Innovationen hervor, insbesondere die beschleunigte Einführung von Lenacapavir als langwirksamer HIV-PrEP. Erste Lieferungen erreichten Eswatini und Sambia bereits im November 2025; bis Ende 2026 soll die Einführung in 24 Ländern erfolgen. Auch bei TB und Malaria werden neue diagnostische und präventive Technologien ausgerollt. Entscheidend ist jedoch nicht allein, ob eine Innovation verfügbar ist, sondern wer sie tatsächlich bekommt, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen. Wissenschaftlicher Fortschritt rettet erst dann Leben, wenn Zugang, Bezahlbarkeit, Akzeptanz und diskriminierungsfreie Versorgung gewährleistet sind. Kaum bezahlbare Innovationen mögen dazu führen, dass die Shareholders der pharmazeutischen Industrie mit der jährlichen Ausschüttung von Gewinnen zufrieden sind: Leben werden dadurch nicht gerettet. Sie sind Ausdruck fundamentaler Ungerechtigkeit. Mit seinem Pooled Procurement Mechanism spielt der Global Fund dabei eine wichtige Rolle. 2025 wurden darüber Bestellungen im Wert von 1,02 Milliarden US-Dollar in mehr als 80 Ländern abgewickelt.

Die größte offene Frage: Self-reliance und Transition

Besonders kritisch ist der Abschnitt zu Selbstständigkeit („Self-reliance“), Nachhaltigkeit und Transition. Der Global Fund unterstützt Länder beim Ausbau ihrer eigenen Gesundheitsfinanzierung und bei der Vorbereitung auf eine langfristige Übernahme der Finanzierung. Für die achte Finanzierungsrunde des Globalen Fonds (GC8) soll zwischen 2027 und 2029 mindestens 1,4 Milliarden US-Dollar zusätzliche nationale Finanzierung mobilisiert werden. Das Ziel einer stärkeren nationalen Finanzierung ist grundsätzlich richtig. Problematisch wird es jedoch, wenn „Self-reliance“ als Rückzug aus internationaler Verantwortung verstanden wird.

Transition muss deshalb mehr bedeuten als die Übertragung von Finanzierungsverantwortung auf nationale Regierungen. Entscheidend ist, ob Länder tatsächlich in der Lage und politisch bereit sind, Programme dauerhaft zu finanzieren - und ob sie dies inklusiv, menschenrechtsbasiert und evidenzbasiert tun. Gerade für Schlüsselgruppen besteht ein erhebliches Risiko: Wenn internationale Finanzierung endet, können Angebote für Menschen, die kriminalisiert oder gesellschaftlich marginalisiert werden, zu den ersten gehören, die gekürzt werden. Ein formal vorhandenes nationales Gesundheitssystem garantiert daher noch lange keinen tatsächlichen Zugang.

Der Bericht spricht von „klar definierten transition timelines“, „vorhersehbarer Finanzierung“ und „vorausschauender Planung“. Darüber hinaus braucht es klare Schutzmechanismen, überprüfbare Zielmarken, echte Community-Beteiligung und Mechanismen für den Fall, dass Regierungen Verpflichtungen nicht erfüllen. Die Vorbereitung auf den Übergang zu eigenständiger Finanzierung („Transition preparedness“) muss daran gemessen werden, ob Menschen auch nach einem Übergang tatsächlich Zugang zu notwendigen Leistungen haben, nicht nur daran, ob ein Finanzierungsplan existiert.

Fazit

Der Results Report 2026 ist ein starkes Argument für die Fortführung und Verstärkung des Global-Fund-Modells. Die dokumentierten Ergebnisse zeigen, dass langfristige internationale Finanzierung Leben rettet, Infektionen verhindert und Gesundheitssysteme stärkt. Gleichzeitig macht 2025 deutlich, wie schnell diese Fortschritte unter Druck geraten können. Erreichte Ergebnisse sind daher kein Grund, Finanzierung zurückzufahren, sondern ein Grund, Investitionen zu sichern.

Gleichzeitig muss der Global Fund noch deutlicher zeigen, was Finanzierungskürzungen konkret für Communities bedeuten, welche Programme gefährdet sind und wie ihre Kontinuität gewährleistet wird. Dies gilt insbesondere für Schlüsselgruppen und für Länder, die sich auf einen Übergang aus der internationalen Finanzierung vorbereiten.

Der Bericht zeigt eindrucksvoll, was internationale Solidarität erreichen kann. Die Herausforderung besteht jetzt darin, sicherzustellen, dass die aktuelle Finanzierungskrise die Fortschritte von mehr als zwei Jahrzehnten nicht zunichtemacht.

Globale Solidarität misst sich nicht an den Versprechen, die gemacht, sondern die eingehalten wurden.

Link Results Report: https://www.theglobalfund.org/en/results/

Aktionsbündnis gegen AIDS

September 2026

Kontakt: info@aktionsbuendnis-aids.de

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