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Mitzeichnung

Offener Brief: Zivilgesellschaft fordert gerechten Zugang zu neuem HIV-Präventionsmedikament MK-8527

Offener Brief an Merck ©Aktionsbündnis gegen AIDS

177 Organisationen aus aller Welt, darunter auch das Aktionsbündnis gegen AIDS, haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden von Merck gewandt. Darin fordern sie eine umfassende und gerechte globale Zugangsstrategie für den vielversprechenden HIV-Präventionskandidaten MK-8527, insbesondere für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

MK-8527 ist ein einmal monatlich einzunehmendes orales Medikament zur HIV-Prävention (PrEP), das sich derzeit in Phase-III-Studien befindet. Sollte sich seine Wirksamkeit bestätigen, könnte es einen wichtigen Fortschritt im globalen HIV-Präventionsinstrumentarium darstellen. Eine monatliche Einnahme könnte die Adhärenz deutlich verbessern und damit insbesondere dort einen Unterschied machen, wo tägliche PrEP-Regime bislang schwer umzusetzen sind. Gerade in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen jedes Jahr die Mehrheit der weltweit rund 1,3 Millionen HIV-Neuinfektionen auftritt, ist der Zugang zu wirksamer Prävention entscheidend.

Zugang darf nicht erneut Jahre verzögert werden

Die Geschichte der HIV-Bekämpfung ist geprägt von tiefen globalen Ungleichheiten. Lebensrettende antiretrovirale Therapien standen Menschen in wohlhabenden Ländern bereits Mitte der 1990er-Jahre zur Verfügung, während Menschen in vielen Ländern des Globalen Südens aufgrund hoher Preise, mangelnder Verfügbarkeit und Patentbarrieren noch über ein Jahrzehnt warten mussten. Millionen Menschen starben in dieser Zeit vermeidbar.

Neue Entwicklungen, wie das langwirksame injizierbare Präventionsmedikament Lenacapavir, zeigen jedoch, dass ein schnellerer und gerechterer Zugang möglich ist – wenn Unternehmen, Regierungen, internationale Organisationen und Zivilgesellschaft frühzeitig zusammenarbeiten. MK-8527 bietet Merck die Möglichkeit, auf diesen Fortschritten aufzubauen und einen neuen Standard für gerechten Zugang zu setzen.

Zentrale Forderungen der Zivilgesellschaft an Merck

In ihrem gemeinsamen Brief fordern die unterzeichnenden Organisationen Merck auf, bereits während der klinischen Entwicklungsphase verbindliche Maßnahmen für einen gerechten Zugang umzusetzen. Dazu gehören insbesondere:

  • Faire und transparente Preisgestaltung: Der Preis für MK-8527 in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sollte von Beginn an erschwinglich sein und sich am Niveau generischer PrEP orientieren (unter 40 US-Dollar pro Person und Jahr), um eine breite Nutzung zu ermöglichen.
  • Nicht-exklusive freiwillige Lizenzen für Generikaproduktion: Merck sollte frühzeitig offene Lizenzvereinbarungen, etwa über den Medicines Patent Pool, abschließen, damit Generikahersteller weltweit kostengünstige Versionen produzieren können. Diese Lizenzen müssen alle Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen umfassen, einschließlich Ländern mit mittlerem Einkommen.
  • Schnelle und breite regulatorische Zulassung: Neben der Zulassung in den USA soll Merck internationale Verfahren wie die WHO-Präqualifikation und das EU-M4all-Verfahren nutzen, um eine schnelle Einführung in Ländern mit hoher HIV-Belastung zu ermöglichen.
  • Verzicht auf Patentstrategien, die Generika verzögern: Merck sollte auf sogenannte „Evergreening“-Strategien verzichten, die den Zugang zu erschwinglichen Generika künstlich verzögern.
  • Technologietransfer und Produktionsaufbau: Der Transfer von Produktions-Know-how und die Unterstützung regionaler Produktionskapazitäten, insbesondere in Afrika, Asien und Lateinamerika, sind entscheidend für nachhaltigen Zugang.

Entscheidungen heute bestimmen den Zugang von morgen

Die Entscheidungen, die Merck jetzt trifft, werden darüber entscheiden, ob MK-8527 schnell und gerecht verfügbar sein wird, oder ob sich die Ungleichheiten der Vergangenheit wiederholen. Angesichts globaler Finanzierungslücken, zunehmender Ungleichheiten und politischer Rückschritte in der HIV-Bekämpfung ist es entscheidend, dass neue Präventionsinstrumente allen Menschen zugutekommen, unabhängig davon, wo sie leben.

Das Aktionsbündnis gegen AIDS unterstützt den gemeinsamen Appell und fordert, dass gerechter Zugang zu neuen HIV-Präventionsmedikamenten von Anfang an verbindlich verankert wird.

Der zivilgesellschaftliche Einsatz wurde auch von der internationalen Presse, darunter Stat News, aufgegriffen. Zudem wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht, um auf die Forderungen aufmerksam zu machen.

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