Gesundheit als Priorität der G7-Präsidentschaft
Appell zivilgesellschaftlicher Organisationen

Im Vorfeld des ersten Treffens der G7-Gesundheitsminister*innen am 29. Januar 2026 fordert die G7/G20-Arbeitsgruppe des Aktionsbündnisses gegen AIDS die G7 auf, gesundheitliche Ungleichheiten zum zentralen politischen Handlungsfeld der französischen G7-Präsidentschaft zu machen.
Die Einrichtung einer Gesundheits-Arbeitsgruppe auf Minister*innenebene ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird jedoch sein, ob daraus klare Prioritäten, verbindliche Zusagen und messbare Ergebnisse entstehen. Denn Gesundheit ist kein Privileg: Die Überwindung gesundheitlicher Ungleichheiten ist menschenrechtliche Verpflichtung und Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung, Resilienz und globale Stabilität.
Unsere Kernforderungen an die G7
1) Universeller Zugang zu Gesundheitsversorgung als verbindliches Ziel
Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat weiterhin keinen Zugang zu essenziellen Gesundheitsleistungen. Gleichzeitig nehmen nichtübertragbare Krankheiten zu, Infektionskrankheiten brechen erneut aus oder drohen außer Kontrolle zu geraten, und die gesundheitliche Lage von Kindern sowie ihre Ernährung verschlechtern sich.
Universelle Gesundheitsversorgung (Universal Health Coverage) kann nur gelingen, wenn sie geschlechtergerecht ausgestaltet ist und den Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten sichert. Ohne zusätzliche, ambitionierte Maßnahmen wird das UHC-Ziel verfehlt.
2) Gesundheitsfinanzierung stärken, einschließlich Schuldenerlass
Wir fordern die G7 auf, den drastischen Rückgang der öffentlichen Entwicklungsfinanzierung für Gesundheit umzukehren. Viele Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind durch hohe Schuldenlasten faktisch handlungsunfähig und können notwendige Investitionen in ihre Gesundheitssysteme nicht tätigen.
Schuldenerlass und Schuldenerleichterung sind zentrale Voraussetzungen für gesundheitliche Souveränität und nachhaltige Entwicklung. Eine bessere Mobilisierung inländischer Ressourcen muss mit verlässlicher, ausreichender und vorhersehbarer externer Finanzierung einhergehen. Kurzfristige, fragmentierte oder politisch konditionierte Finanzierungsansätze sind unzureichend und kontraproduktiv.
3) Multilaterale Gesundheitsinstitutionen langfristig sichern
Die G7 müssen sich klar und öffentlich zur langfristigen Stärkung, Finanzierung und politischen Unterstützung zentraler multilateraler Organisationen bekennen – insbesondere WHO, UNAIDS und Global Fund.
Gerade vor dem Hintergrund der laufenden UN-Reformdebatten (UN80) muss sichergestellt werden, dass diese Institutionen integrale Bestandteile einer leistungsfähigen globalen Gesundheitsarchitektur bleiben. Ihre Schwächung gefährdet Pandemievorsorge, Krankheitsbekämpfung und globale Gesundheitssicherheit.
4) Multilaterale und partizipative Ansätze konsequent stärken
Globale Gesundheitskrisen lassen sich nicht unilateral lösen. Wir fordern die G7 auf, multilaterale Ansätze systematisch zu stärken, wirksame Instrumente auszubauen und konsequent an wissenschaftlicher Evidenz, Menschenrechten und Gerechtigkeit auszurichten.
Zivilgesellschaftliche Organisationen und Communities sind dabei als unverzichtbare Partner*innen anzuerkennen und strukturell einzubinden. Eine kontinuierliche, ressourcengestützte Beteiligung an Governance- und Entscheidungsprozessen ist Voraussetzung für nachhaltige, kontextsensible und resiliente Gesundheitssysteme.
5) One Health integriert umsetzen
Klimawandel, Umweltverschmutzung und Biodiversitätsverlust verschärfen Gesundheitsrisiken weltweit. Die enge Verflechtung von menschlicher, tierischer und ökologischer Gesundheit erfordert einen kohärenten One-Health-Ansatz, der Prävention priorisiert, gesundheitsschädliche Aktivitäten wirksam reguliert und Gesundheitssysteme krisenfest macht.
Zum Originalbrief hier:
