UNAIDS PCB57 in Brasilien: Bericht
Warum die Zukunft der globalen HIV-Antwort politisch entschieden wird

Bericht von Peter Wiessner zur 57. Sitzung des UNAIDS-Programmkoordinierungsausschusses (16.–18. Dezember 2025, Brasília)
Brasilien zeigte beim UNAIDS PCB57 eindrucksvoll, was mit politischem Willen, Menschenrechten und Community-Führung möglich ist. Gleichzeitig wurde deutlich: Die globale HIV-Antwort steht unter massivem Druck. Finanzielle Kürzungen, der UN80-Reformprozess und der mögliche Abbau von UNAIDS gefährden zentrale Errungenschaften. Peter Wiessner berichtet aus Brasília über Erfolge, Risiken und die politische Richtungsentscheidung, vor der die internationale Gemeinschaft steht.
Die 57. Sitzung des UNAIDS-Programmkoordinierungsausschusses (PCB57) fand vom 16.–18. Dezember 2025 in Brasília statt – in einem Land, das wie kaum ein anderes für den Erfolg einer menschenrechtsbasierten HIV-Politik steht. Brasilien war 1996 das erste Land mit mittlerem Einkommen, das per Gesetz den kostenlosen und universellen Zugang zu antiretroviraler Therapie garantierte. Diese Entscheidung rettete Millionen Leben und setzte weltweit Maßstäbe.
Heute erreicht Brasilien zwei der drei 95-95-95-Ziele, hat die Mutter-Kind-Übertragung von HIV und Syphilis eliminiert und zeigt, wie stark öffentliche Gesundheitssysteme sein können, wenn sie auf Solidarität, Rechte und Community-Einbindung bauen.
Doch das PCB57 machte auch deutlich: Diese Erfolge sind gefährdet.
Die globale HIV-Antwort steht unter massivem Druck durch rückläufige Finanzierung, steigende Neuinfektionen in mehreren Regionen, zunehmende Kriminalisierung und den Abbau von Rechten – insbesondere für marginalisierte Gruppen. Gleichzeitig befindet sich UNAIDS selbst in einem tiefgreifenden Umbauprozess im Rahmen der UN80-Reformen: Personalabbau, Dezentralisierung und unklare Zuständigkeiten werfen die Frage auf, ob zentrale Funktionen künftig noch gesichert werden können.
Die NGO-Delegation machte in einem viel beachteten Bericht klar: Community-geführte Angebote sind keine Ergänzung, sondern das Fundament wirksamer HIV-Arbeit. Ohne Communities gibt es keine Prävention, keine Versorgungskontinuität und keinen Abbau von Stigma. Regierungen müssen diese Arbeit dauerhaft anerkennen, absichern und institutionell verankern.
Auch die neue Globale AIDS-Strategie 2026–2031 wurde verabschiedet – mit dem Ziel, bis 2030 AIDS als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden. Doch ohne gesicherte Finanzierung, klare institutionelle Verantwortung und verbindliche Community-Beteiligung droht sie ein normatives Papier ohne Umsetzungskraft zu bleiben.
Das PCB57 zeigte damit vor allem eines: Die Zukunft der globalen HIV-Antwort entscheidet sich nicht an technischen Details, sondern an politischen Prioritäten. Es geht um die Frage, ob Multilateralismus, Menschenrechte und Community-Führung gestärkt oder schrittweise ausgehöhlt werden.
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