Sie sind hier

  1. Start
  2. Aktuelles
  3. Eindämmung von HIV/AIDS...

Eindämmung von HIV/AIDS in Konfliktgebieten

Fortschritte der letzten Jahrzehnte drohen verloren zu gehen

Blogreihe zum Replenishment© Aktionsbündnis gegen AIDS

Dieser Beitrag ist Teil der Blogreihe zur 8. Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds. Seit dem 20. August 2025 veröffentlichen zivilgesellschaftliche Organisationen wöchentlich Beiträge zu globaler Gesundheitsfinanzierung, Chancengleichheit und der Rolle des Globalen Fonds.

Blog-Beitrag von Jasmin Behrends, Ärzte ohne Grenzen e.V. / Médecins Sans Frontières.

Eindämmung von HIV/AIDS in Konfliktgebieten: Fortschritte der letzten Jahrzehnte drohen verloren zu gehen  

Der Globale Fonds spielt seit vielen Jahren eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung von HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria, insbesondere in Ländern mit fragilen Gesundheitssystemen. Seine Mittel finanzieren in Afrika, Asien und Lateinamerika lebensrettende Medikamente, Diagnosetests, die Bezahlung von Gesundheitspersonal und Präventionsmaßnahmen. Eine drastische Unterfinanzierung, die sich mit Blick auf die anstehende Wiederauffüllung ankündigt, würde diese essenziellen Programme gefährden und Millionen Menschen ohne Zugang zu dringend benötigter Gesundheitsversorgung zurücklassen. Der deutsche Beitrag für den Globalen Fond wurde bereits von 1,3 auf 1 Milliarde Euro für 2026–2028 gekürzt und droht die Lage weiter zu verschärfen. Hochrechnungen prognostizieren mehreren Millionen vermeidbaren Neuinfektionen von HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria durch diese verringerten Mittel. 

Erste Auswirkungen der Kürzungen: Ein alarmierender Rückschritt 

Die Folgen der internationalen Kürzungen, besonders durch die Absetzung der US-Hilfsmittel unter der Trump-Regierung, sind bereits jetzt spürbar. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) behandelt jedes Jahr Zehntausende HIV- und Tuberkulose-Patient:innen. Obwohl MSF nicht direkt vom Globalen Fonds finanziert wird, beobachten wir mit großer Besorgnis, dass viele von diesem unterstützte Gesundheitsorganisationen ihre Programme aufgrund finanzieller Unsicherheiten herunterfahren oder gar schließen müssen. 

Ohne eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können Menschen mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung (AHD) oder AIDS nicht effektiv versorgt werden. In Ländern wie Mosambik, Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und Guinea berichten MSF-Teams von alarmierend hohen Sterblichkeitsraten. In Honduras führten plötzliche Kürzungen der US-Hilfsgelder Anfang des Jahres zum Stillstand vieler HIV-Präventions- und Behandlungsprogramme. Patient:innen verloren über Nacht den Zugang zu Präexpositionsprophylaxe-Medikamenten (PrEP), einem wichtigen Mittel zur Verhinderung von HIV-Neuinfektionen. Auch Gesundheitspersonal wurde entlassen, wodurch HIV-positive Menschen mit fortgeschrittenen opportunistischen Infektionen wieder vermehrt in die Gesundheitszentren zurückkehren. 

Auch in der Demokratischen Republik Kongo sind die Auswirkungen spürbar. Dort berichteten MSF-Kolleg:innen immer wieder von Lieferschwierigkeiten bei antiretroviralen Medikamenten (ARV) und Test für HIV-Infektionen. Patient:innen, die auf die regelmäßige Einnahme dieser Medikamente angewiesen sind, drohen den Zugang zu verlieren, wenn die Vorräte nicht rechtzeitig wieder aufgefüllt werden. In Ländern wie Südafrika, Uganda und Simbabwe mussten ganze HIV-Programme aufgrund fehlender Mittel geschlossen werden. Lange Warteschlangen und Personalmangel in Gesundheitseinrichtungen sind in vielen Kliniken an der Tagesordnung. 

HIV/AIDS in Konfliktgebieten: Eine doppelte Herausforderung 

In Konfliktgebieten ist die Behandlung von HIV/AIDS besonders herausfordernd. Vertreibung zerstört Gemeinschaften und zwingt Menschen in überfüllte Lager oder informelle Siedlungen, wo der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen stark eingeschränkt ist. Überlebende sexueller Gewalt tragen ein erhöhtes Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Gleichzeitig sind die Gesundheitssysteme in vielen Regionen oft überlastet oder sogar zerstört, was die Diagnose, Behandlung und Prävention von HIV nahezu unmöglich macht. 

Die Herausforderungen in Konfliktgebieten verdeutlichen, wie wichtig nachhaltige Investitionen in Präventions- und Behandlungsprogramme sind. Ohne ausreichende finanzielle Mittel bleiben viele Menschen ohne Zugang zu Tests, antiretroviralen Therapien, Kondomen oder Aufklärung über die Übertragung von HIV. Das Risiko steigt, dass es häufiger zu Lieferengpässen bei Tests und Medikamenten kommen wird. Wenn Gesundheitseinrichtungen schließen, müssen Menschen in abgelegenen Regionen noch längere Wege auf sich nehmen, um sich testen und behandeln zu lassen. Es kann außerdem passieren, dass Einrichtungen geschlossen sind und Menschen den langen Weg ganz umsonst auf sich genommen haben. Besonders Präventionsmaßnahmen werden als erste in vielen Programmen wegfallen, wodurch ist wieder zu höheren Neuinfektionsraten kommen kann.  

Der Weg nach vorn: Was jetzt getan werden muss 

In den letzten Jahrzehnten wurden dank internationaler Gesundheitsprogramme, wissenschaftlicher Durchbrüche und dem stetigen Einsatz von Aktivist:innen und Communities große Fortschritte erzielt. Antiretrovirale Medikamente (ARV) sind heute bezahlbarer und ermöglichen Menschen mit HIV ein langes und gesundes Leben. Doch diese Erfolge sind gefährdet. Eine reduzierte finanzielle Unterstützung schränkt die Möglichkeiten ein, Präventions- und Behandlungsmaßnahmen auszuweiten, besonders in Konfliktgebieten, wo der Bedarf am größten ist. 

Um die HIV/AIDS-Epidemie zu bekämpfen, sind nachhaltige und erhöhte Investitionen dringend erforderlich. Regierungen, internationale Organisationen und private Geldgeber müssen Programme priorisieren, die besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen erreichen und die komplexen Herausforderungen in Konfliktgebieten angehen. Der Globale Fonds ist hierbei unverzichtbar. Nur mit ausreichender Finanzierung kann die HIV-Übertragung weiter reduziert und das Ziel, die Epidemie zu beenden, erreicht werden. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln, um sicherzustellen, dass die erzielten Fortschritte nicht verloren gehen und Millionen Menschen weiterhin Zugang zu lebensrettender Versorgung erhalten.  

, 2025