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Was ist der faire Beitrag Deutschlands für den Globalen Fonds?

Blogreihe zum Replenishment© Aktionsbündnis gegen AIDS

Dieser Beitrag ist Teil der Blogreihe zur 8. Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds. Seit dem 20. August 2025 veröffentlichen zivilgesellschaftliche Organisationen wöchentlich Beiträge zu globaler Gesundheitsfinanzierung, Chancengleichheit und der Rolle des Globalen Fonds.

Blog-Beitrag von Tilman Rüppel, Referent für politische Anwaltschaft bei medmissio und Vorstandsmitglied des Aktionsbündnis gegen AIDS.

Warum der Globale Fonds?

Der Globale Fonds ist das wichtigste multilaterale Finanzierungsinstrument im Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria. Seit seiner Gründung 2002 hat er über 70 Millionen Menschenleben gerettet und Gesundheitssysteme in über 100 Ländern gestärkt. Seine Wirkung reicht dabei weit über die drei Krankheiten hinaus: Mit Investitionen in Infrastruktur, Sauerstoffversorgung oder Labore ist er zugleich ein zentraler Pfeiler der globalen Gesundheitsarchitektur und der ersten Verteidigungslinie im Kampf gegen Infektionskrankheiten mit Epidemie- und Pandemiepotenzial.

Deutschland ist Gründungsmitglied und aktuell viertgrößter staatlicher Geber. Für die laufende Finanzierungsperiode (2023-2025) stellt die Bundesregierung insgesamt 1,3 Milliarden Euro bereit. Mit Blick auf die 8. Wiederauffüllungskonferenz geht es nun um die Frage: Wie hoch sollte Deutschlands fairer Beitrag sein?

Der Finanzierungsbedarf 2027–2029

Der Globale Fonds plant, mindestens 18 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren, die Untergrenze, um bestehende Programme fortzuführen. Damit könnten bis zu 23 Millionen Leben gerettet werden.

Doch tatsächlich liegt der Bedarf höher: Unter Einbeziehung der Finanzierungslücken ergibt sich ein Gesamtbedarf von 30,7 Milliarden US-Dollar für 2027–2029. Hintergrund ist eine weltweite Finanzierungslücke bei der Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria, die geschlossen werden muss, um das UN-Nachhaltigkeitsziel 3.3, die Beendigung dieser drei Epidemien bis 2030,  wieder in Reichweite zu bringen.

Diese Finanzierungslücke wird in der Berechnung des „fair share“ berücksichtigt, ist jedoch im vom Globalen Fonds angesetzten Ziel von 18 Milliarden US-Dollar nicht enthalten. Das Finanzierungsziel von 18 Milliarden ist daher eine politische Konzessionsentscheidung und spiegelt nicht den vollständigen Bedarf wider.

Der vollständige Ressourcenbedarf des Globalen Fonds beläuft sich entsprechend auf 30,7 Milliarden US-Dollar für die Jahre 2027–2029, wenn der Fonds denselben relativen Anteil an der weltweiten Finanzierungslücke übernimmt, wie er bereits heute im Zusammenspiel mit anderen internationalen Geldgebern und den betroffenen Ländern trägt.

Die Berechnung des „fair share“ Deutschlands

Die Kalkulation des fairen Beitrags folgt einer klaren Logik:

  1. Grundlage – Anteil am globalen Wohlstand: Deutschlands Anteil am Bruttonationaleinkommen (BNE) aller Hocheinkommensländer liegt bei 6,72 % (Durchschnitt 2020–2024).
  2. Gesamtbedarf des Globalen Fonds: Der tatsächliche Ressourcenbedarf beträgt 30,721 Milliarden US-Dollar.
  3. Deutschlands rechnerischer Anteil: 6,72 % davon ergeben 2,064 Milliarden US-Dollar.
  4. Abzug der EU-Zahlungen: Ein Teil des deutschen Beitrags fließt indirekt über den EU-Haushalt. Dieser Anteil beträgt rund 167 Millionen US-Dollar.
  5. Verbleibender deutscher Eigenanteil: Nach Abzug ergibt sich ein direkter nationaler Beitrag von ca. 1,897 Milliarden US-Dollar.
  6. Umrechnung in Euro: Bei einem EZB-Durchschnittskurs von 0,93 (März 2024–März 2025) entspricht dies etwa 1,8 Milliarden Euro – also rund 600 Millionen Euro pro Jahr über drei Jahre. Kurz gesagt: Der faire Beitrag Deutschlands ergibt sich aus seinem Anteil am Wohlstand aller Hocheinkommensländer, angepasst um EU-Zahlungen, und beläuft sich auf 1,8 Milliarden Euro.
Deutschlands fairer Beitrag zum Globalen Fonds

Warum ein fairer Beitrag entscheidend ist

Während der „fair share“ Deutschlands bei 1,8 Milliarden Euro liegt, würde ein Beitrag unter 1,4 Milliarden Euro laufende, lebensrettende Programme akut gefährden. Bisher hat die deutsche Bundesregierung jedoch lediglich eine Zusage von 1 Milliarde Euro für die aktuelle Wiederauffüllungsrunde des Globalen Fonds gemacht, das entspricht einer Reduktion von 23 Prozent im Vergleich zum letzten deutschen Beitrag. Deshalb muss Deutschland bei der offiziellen Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds am 21. November in Johannesburg, Südafrika, seinen Beitrag deutlich aufstocken.

Deutschland verfügt über die Mittel und die Verantwortung, verlässlich zu handeln. Ein fairer Beitrag wäre zugleich ein deutliches Signal internationaler Solidarität und ein starkes Bekenntnis zur globalen Gesundheitssicherheit.

, 2025