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UNAIDS in Bonn

Deutschland verstärkt Unterstützung für UNAIDS angesichts weltweiter HIV-Finanzierungskrise

UNAIDS Foto vom Treffen

Am 22.Oktober war das Aktionsbündnis gegen AIDS zu einem Austausch mit UNAIDS und anderen Akteuren in das Hauptquartier der Vereinten Nationen nach Bonn eingeladen. Hintergrund der Einladung ist, dass UNAIDS im Rahmen des Reformprozesses seine Präsenz in Bonn ausbauen wird. Wir haben uns über die Einladung sehr gefreut und den Austausch zum Anlass genommen, über die uns wichtigen Aspekte und den Mehrwert von UNAIDS zu sprechen. Allen voran steht für uns die Akzentuierung auf Wissenschaftlichkeit, das Menschenrecht auf Gesundheit, die Einbindung von Schlüsselgruppen und der Widerstand den UNAIDS in Bezug auf Tendenzen zeigt, zivilgesellschaftliches Engagement zu begrenzen: UNAIDS ist die einzige Behörde der Vereinten Nationen, die Zivilgesellschaft und Schlüsselgruppen kontinuierlich und konsequent einbezieht. Für mache Länder, die Schlüsselgruppen wie bspw. Drogengebrauchende und Männer, die Sex mit Männern lieber vernichten würden, als Programme nach deren Bedarfen auszurichten, ist es eine Zumutung sich mit Vertreter*innen dieser Gruppen in den UNAIDS Gremien zusammensetze und auseinandersetzen zu müssen. Das manche Länder das vorgeschlagene "Sunsetting" von UNAIDS kaum erwarten können, darf deshalb nicht wundern. Das Deutschland in den UNAIDS Gremien dies betreffend eine sehr positive Rolle einnimmt, ist durchaus lobenswert. Bleibt zu hoffen, dass das deutsche Engagement zukünftig auch mit einem kontinuierlich gesicherten Beitrag zur weiteren Finanzierung von UNAIDS einhergeht. Unten findet sich die Übersetzung des Berichts von dem Treffen auf der Homepage von UNAIDS.

23. Oktober 2025

Während die weltweite Finanzierung für HIV zunehmend unter Druck gerät, verstärkt Deutschland seine Unterstützung, um sicherzustellen, dass das Ziel, AIDS bis 2030 zu beenden, erreichbar bleibt. Da internationale Geber ihre Beiträge kürzen, stehen UNAIDS und seine Partner vor wachsenden Herausforderungen, den weltweiten Zugang zu lebenswichtigen Präventions- und Behandlungsangeboten gegen HIV aufrechtzuerhalten. Deutschlands Engagement kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt.

Auf dem World Health Summit vergangene Woche in Berlin kündigte Deutschland eine zusätzliche Kernfinanzierung von 2,5 Millionen Euro für UNAIDS an und erhöht damit seinen Gesamtbeitrag für 2025 auf 5,5 Millionen Euro. Zudem sagte Deutschland eine Milliarde Euro für die achte Wiederauffüllungsrunde des Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria zu.

Deutschland zählt seit Langem zu den verlässlichsten und engagiertesten Partnern von UNAIDS. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts hat UNAIDS in Bonn ein wichtiges Zentrum aufgebaut – Teil einer umfassenden Umstrukturierung, um die Organisation effizienter, wirkungsvoller und zukunftsfähiger zu machen. Das Auswärtige Amt sagte zusätzlich 500.000 Euro für die Umsiedlung weiterer Mitarbeitender von Genf nach Bonn sowie 1,2 Millionen Euro zur Stärkung der Arbeit von UNAIDS mit LGBTIQ+-Communities weltweit zu.

Bei einer Veranstaltung auf dem UN-Campus in Bonn kamen in dieser Woche rund 30 Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung, aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, AIDS-Aktivismus sowie internationalen Entwicklungs- und Gesundheitsorganisationen zusammen, um Wege zu diskutieren, wie die Partnerschaft zwischen UNAIDS und Deutschland weiter ausgebaut und Bonns Rolle als globales Zentrum für Gesundheit und HIV gestärkt werden kann.

„Krisen eröffnen oft Chancen für Veränderung“, sagte Christine Stegling, stellvertretende Exekutivdirektorin von UNAIDS. „Während UNAIDS seine Struktur neu ausrichtet, um die globale Reaktion auf AIDS besser zu unterstützen, ist Deutschlands Partnerschaft von zentraler Bedeutung. Es ist ein starkes Signal, dass Deutschland gerade jetzt, wo andere sich zurückziehen, seine Unterstützung ausbaut – und damit bekräftigt, dass das Ende von AIDS weiterhin eine politische Priorität bleibt.“

Auch Georg Kippels, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, betonte in seiner Rede die Gründungsrolle Deutschlands bei der Etablierung von UNAIDS im Jahr 1996 und bekräftigte die langfristige Unterstützung der Bundesregierung: „UNAIDS erreicht Menschen, die oft übersehen werden – Menschen, die Drogen konsumieren, Diskriminierung erfahren oder junge Frauen. Deutschland wird weiterhin an der Seite von UNAIDS stehen, um sicherzustellen, dass niemand von der globalen AIDS-Bekämpfung ausgeschlossen wird“, sagte Kippels.

Eine anschließende Podiumsdiskussion wurde eröffnet von Hendrik Streeck, Bundestagsabgeordneter für Bonn, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn und Drogenbeauftragter der Bundesregierung. Die Diskussionsteilnehmenden – Paul Zubeil (Bundesministerium für Gesundheit), Peter Wiessner (Aktionsbündnis gegen AIDS) und Anne von Fallois (Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung) – hoben Deutschlands Führungsrolle in der globalen AIDS-Bekämpfung hervor, betonten die zentrale Rolle der Zivilgesellschaft und diskutierten neue Kooperationsmöglichkeiten innerhalb des wachsenden Bonner Kompetenzclusters zu HIV und globaler Gesundheit.

Paul Zubeil machte deutlich, dass UNAIDS ein unverzichtbarer Akteur bleibt, während sich der globale Kontext der AIDS-Bekämpfung tiefgreifend verändert: „Das Bundesministerium für Gesundheit arbeitet eng mit UNAIDS zusammen und hat erlebt, wie die Organisation sich erfolgreich auf neue Realitäten einstellt. UNAIDS kann nationale Akteure in besonders betroffenen Ländern dabei unterstützen, mehr Verantwortung zu übernehmen – und gleichzeitig sicherstellen, dass Schlüsselgruppen im Zentrum der Reaktion bleiben.“

„Die Grundwerte des Ansatzes von UNAIDS beruhen auf wissenschaftlicher Evidenz, Menschenrechten und der Einbeziehung betroffener Gruppen“, ergänzte Peter Wiessner. „UNAIDS bringt Regierungen, Zivilgesellschaft und betroffene Communities an einen Tisch – das macht die Organisation einzigartig und unverzichtbar.“

Hendrik Streeck betonte, dass medizinische Innovationen entscheidend bleiben, um AIDS zu beenden. Als Beispiel nannte er Lenacapavir – ein neues injizierbares Medikament, das Menschen bis zu ein Jahr lang vor einer HIV-Infektion schützen kann. „Das Bonner Forschungsumfeld ist ideal aufgestellt, um zu solchen Durchbrüchen beizutragen“, sagte Streeck.

Anne von Fallois hob die Bedeutung der weiteren Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Akteuren in Bonn hervor: „UNAIDS spielt eine zentrale Rolle dabei, uns miteinander zu vernetzen. In Bonn und in ganz Deutschland müssen wir weiterhin gemeinsam daran arbeiten, dass HIV auf der globalen Gesundheitsagenda Priorität behält. UNAIDS liefert uns Informationen, Orientierung und Kontext – und erinnert uns alle daran, dass der Kampf gegen HIV noch nicht vorbei ist.“

In diesem Jahr baut UNAIDS seine Präsenz in Bonn weiter aus, um die Zusammenarbeit mit den führenden globalen Gesundheitsforschungseinrichtungen und UN-Organisationen in der Stadt zu stärken. Nach Abschluss der aktuellen Umstrukturierung wird Bonn zum größten UNAIDS-Standort weltweit – ein deutliches Zeichen für seine wachsende Bedeutung als Zentrum für Innovation, Forschung und Partnerschaft in der globalen AIDS-Bekämpfung.

Foto: UNAIDS

Link zum Originalbeitrag auf der Homepage von UNAIDS: https://www.unaids.org/en/resources/pres...

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