Positionspapier
Auswirkungen der geplanten Kürzungen des deutschen Beitrags zum Globalen Fonds

Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ist eines der wirksamsten multilateralen Instrumente der globalen Gesundheit. Er hat seit seiner Gründung 70 Millionen Menschenleben gerettet.
Allein im Jahr 2024 wurden durch die Partnerschaft folgende Ergebnisse erzielt:
- 25,6 Millionen Menschen erhielten antiretrovirale Therapie gegen HIV.
- 7,4 Millionen Menschen wurden gegen Tuberkulose behandelt.
- 162 Millionen Moskitonetze wurden verteilt, um Kinder und Familien vor Malaria zu schützen.
Der Globale Fonds investiert zudem in die Stärkung von Gesundheitssystemen und Krankheitsüberwachung in mehr als 100 Ländern, um neue Ausbrüche weltweit zu erkennen, nachzuverfolgen und einzudämmen. Diese Erfolge sind auch durch Deutschlands Beitrag ermöglicht worden. Deutschland gehört zu den größten Gebern des Globalen Fonds. Durch das Engagement des BMZ bringt sich Deutschland bei den inhaltlichen Schwerpunktsetzungen ein, bspw. in Bezug auf Gesundheitssystemstärkung sowie die Ausrichtung der Programme an menschenrechtlichen Ansätzen und den Bedarfen besonders vulnerabler Gruppen. Als verlässlicher Partner trägt Deutschland seit der Gründung des Fonds maßgeblich zu diesen Resultaten bei.
Mit dem Bundeshaushalt 2025 und 2026 drohen nun drastische Kürzungen: Für die nächste Finanzierungsperiode (2026–2028) der Programme des Fonds sind lediglich 850 Millionen Euro vorgesehen, im Kontrast zu 1,3 Milliarden Euro in der letzten Periode (2023–2025). Das entspricht einem Rückgang um 450 Millionen Euro bzw. rund 35 %. Bleiben diese Kürzungen bestehen, werden die Folgen katastrophal sein: Dies gilt sowohl für Menschen mit HIV, Tuberkulose und Malaria in Ländern des Globalen Südens, für die globale Gesundheitssicherheit und die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen Länder als auch für die Glaubwürdigkeit Deutschlands als wichtiger und verlässlicher Partner. In einer Zeit, in der sich andere Nationen aus globaler Verantwortung zurückziehen, kann sich Deutschland als ein Land erweisen, das einen Gegenpunkt setzt.
Was steht auf dem Spiel?
Wenn die Kürzungen bestehen bleiben, wird dies für Menschen im Globalen Süden sehr konkrete Folgen haben. Zu rechnen ist mit:
- 650.000 zusätzlichen Todesfällen
- 12 Millionen neuen Infektionen mit HIV, Tuberkulose und Malaria
- 9 Milliarden US-Dollar weniger wirtschaftliche Erträge aus Gesundheitsgewinnen
Die geplanten Kürzungen sind ein humanitäres Desaster. Sie erschüttern Deutschlands internationale Glaubwürdigkeit und Rolle als verlässlicher Partner in der Entwicklungszusammenarbeit.
Die Auswirkungen reichen jedoch weit darüber hinaus:
Sicherheit: Die beste globale Verteidigung gegen Infektionskrankheiten besteht darin, Ausbrüche an ihrer Quelle einzudämmen. Die vorgesehenen Kürzungen gefährden nicht nur die Bestrebungen Aids, Tuberkulose und Malaria zu beenden, sondern auch die globale Gesundheitssicherheit, mit direkten Risiken für Deutschland selbst.
Verlässlichkeit: Deutschland ist Mitgründer und viertgrößter Geber des Globalen Fonds. Die Kürzungen untergraben Deutschlands angesehene Position als stabiler Partner.
Effizienz: Ausgerechnet beim wirksamsten multilateralen Instrument für globale Gesundheit zu kürzen ist politisch und ökonomisch kurzsichtig. Jeder investierte Euro in den Globalen Fonds rettet Leben, stärkt Gesundheits- und Communitysysteme und schafft wirtschaftlichen Nutzen.
Signalwirkung: In Zeiten multipler Krisen setzt Deutschland ein fatales Zeichen der Abschottung. Dies schwächt nicht nur Partner im Globalen Süden, es setzt auch ein falsches Zeichen, da dadurch multilaterale Ansätze, die ohnehin global in Frage gestellt werden, unter Druck stehen.
Unsere Forderung
Gerade in Zeiten, in denen von allen Seiten Priorisierung, Wirksamkeit und Effizienz gefordert werden, ist es widersinnig, ausgerechnet beim Globalen Fonds zu kürzen, einem der effizientesten, transparentesten und wirkungsstärksten Instrumente der internationalen Gesundheitsfinanzierung.
Wir fordern die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und die Regierung auf, die geplanten Kürzungen des deutschen Beitrags zum Globalen Fonds zurückzunehmen und ein starkes Signal der Solidarität und Verantwortung zu setzen.
Für die achte Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds berechnen wir den fairen Beitrag Deutschlands für die Jahre 2026–2028 auf 1,8 Milliarden Euro. Ein Beitrag unterhalb von 1,4 Milliarden Euro wird unweigerlich lebensrettende Programme gefährden und damit Menschenleben kosten
Aktionsbündnis gegen AIDS
September 2025
