Gemeinsam gegen Tuberkulose in Somalia

In Somalia trifft ein sehr fragiles Gesundheitssystem auf lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie zum Beispiel die Tuberkulose. Staatliche Strukturen sind sehr schwach und der Globale Fonds verlässt sich seit 2002 bei der Tuberkulosebekämpfung auf die Arbeit der Zivilgesellschaft. Vor Ort arbeitet World Vision Somalia mit der finanziellen Unterstützung des Globalen Fonds und in Zusammenarbeit mit zahlreichen Organisationen, um die Versorgung der Menschen zu verbessern.
Blogbeitrag von Marwin Meier, World Vision Deutschland
In Somalia ist Tuberkulose (TB) ein großes Problem, auch wenn in den vergangenen Jahren die Zahl der medizinisch versorgten TB-Patient*innen angestiegen ist. Vor allem multiresistente Formen sind hier auf dem Vormarsch. Das bedeutet: Die Krankheitserreger haben sich so entwickelt, dass herkömmliche Medikamente nicht mehr wirken. Dies macht die ohnehin schon langwierige Behandlung noch schwieriger. Laut WHO gehört Somalia zu den 30 am stärksten von multiresistenter Tuberkulose betroffenen Ländern weltweit.
Das Land am Horn von Afrika gilt als politisch fragil und zählt zu den 10 ärmsten Ländern der Welt. Mehr als drei Jahrzehnte Bürgerkrieg und häufige Katastrophen wie Dürren und Überflutungen haben die Versorgungsstrukturen nachhaltig erschüttert. Dies gilt auch für die staatlichen Strukturen und das Gesundheitssystem. Viele Somalierinnen und Somalier haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung.
Mit Mitteln des Globalen Fonds unterstützt World Vision beispielsweise eine Klinik in Hargeisa, Somaliland, die sich auf TB spezialisiert hat. Hierher kam Hibo (Namen geändert) mit ihrer 7-jährigen Tochter Muha aus Sorge um deren Gesundheit. Das Mädchen hustet seit Wochen, ein beunruhigendes Symptom, das in der Familie schlimme Erinnerungen weckt, denn erst vor Kurzem war Hibos Mann an TB erkrankt und wurde hier in der Klinik behandelt.
„Mein Vater war lange Zeit sehr krank“, erzählt Muha. „Meine Mutter sagte mir, dass er eine Krankheit namens Tuberkulose hat.“ Dem Vater geht es nach einer langwierigen Behandlungszeit inzwischen besser, doch die Angst vor der Krankheit ist geblieben. Nun fühlt sich Muha selbst seit einiger Zeit nicht gut. Darum ist sie in die Klinik gekommen: zum TB-Test.
Die Angst vor Tuberkulose ist groß
Mutter und Tochter sind angespannt. Die Untersuchungen und die Auswertung der Ergebnisse dauern mehrere Stunden. „Die Ärzte haben mich abgehört und sogar ein Bild von meiner Lunge gemacht“, berichtet Muha im Anschluss. „Das fand ich etwas gruselig, denn ich hatte Angst, dass es wehtun würde. Aber das hat es nicht!“ Dann endlich kommt die gute Nachricht – und mit ihr die Erleichterung: Der Test ist negativ. Muha hat keine Tuberkulose.
Was wir in Deutschland und weltweit gerade seit COVID-19 tun, gilt für Tuberkulose schon lange: Abstand halten, Maske tragen, Testen und Kontaktnachverfolgung sind wirksame Mittel, um die Krankheit einzudämmen. Testen spielt hierbei eine zentrale Rolle, denn wer nicht weiß, ob er/sie infiziert ist, trägt zur weiteren Verbreitung bei, was wiederum die Entwicklung multiresistenter Varianten begünstigt.
Die Rolle von World Vision als internationale Hilfsorganisation ist dabei vor allem eine koordinierende. Ein Netzwerk von kleineren lokalen oder anderen internationalen Hilfsorganisationen erreicht die Menschen in den allermeisten Teilen von Somalia, auch dort, wo westliche Organisationen nicht arbeiten dürfen.
Der Globale Fonds unterstützt Somalia seit 2002 bei der Eindämmung von Tuberkulose, HIV und Malaria, bisher mit insgesamt 504 Millionen US-Dollar. Für den Zeitraum 2022 bis 2026 werden allein für TB-Programme 160 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Über World Vision können lokale Partner Projekte mit diesen Mitteln umsetzen, auch in Gegenden, die westlichen Organisationen unzugänglich sind. Gemeinsam verfolgt man vor allem ein Ziel: Das fragile Gesundheitssystem stärken, damit die Versorgung alle erreicht, die sie brauchen.
Inzwischen bieten 115 TB-Behandlungszentren im ganzen Land Tests, Beratung und Behandlung an. 2024 wurden fast 18.500 TB-Fälle registriert und die sofortige Behandlung eingeleitet. Ein großer Erfolg, aber der Weg ist noch weit: Die WHO schätzt, dass insgesamt etwa 43.000 Menschen in Somalia mit dem TB-Erreger infiziert sind (WHO-Bericht 2024).
Videos zu GF-Somalia von WV-Somalia
Zwei kurze Videos geben Einblick in die Arbeit von World Vision Somalia mit Unterstützung des Globalen Fonds:
Schnelle TB-Diagnosen dank moderner Testgeräte
Das Video zeigt, wie GeneXpert-Maschinen eine frühzeitige und präzise TB-Diagnose in Somalia ermöglichen und so Leben retten.
Von der Anmeldung bis zur Behandlung: TB-Versorgung in Eyl
Das Video geht darum, wie eine Patientin Schritt für Schritt durch die TB-Klinik in Eyl begleitet wird – von der Anmeldung über die Diagnose bis zur Unterstützung.
Marwin Meier, World Vision Deutschland
Dieser Beitrag ist Teil der Blogreihe zur 8. Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds. Seit dem 20. August 2025 veröffentlichen zivilgesellschaftliche Organisationen wöchentlich Beiträge zu globaler Gesundheitsfinanzierung, Chancengleichheit und der Rolle des Globalen Fonds.


