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Interview mit Pricilla Ama Addo aus Ghana

„Jeder Mensch hat das Recht auf gesundheitliche Chancengleichheit“

Blogreihe zum Replenishment© Aktionsbündnis gegen AIDS

Die Gesundheitsversorgung in Ghana ist zunehmend gefährdet – insbesondere für Menschen mit HIV. Aktivistin Priscilla Ama Addo warnt, dass ein neues Gesetz gegen die LGBTIQ*-Community die Situation weiter verschärfen könnte.

Read the english version here.

HIV-Patient*innen in Ghana erleben immer wieder Medikamentenengpässe. Im März 2024 blieben Nachlieferungen aus, und viele mussten ihre Dosis reduzieren oder teilen, um nicht ohne Medikamente dazustehen. Therapieunterbrechungen können jedoch zu gefährlichen Resistenzen führen. Die Ursache? Eine hochgradig bürokratische Gesundheitsverwaltung, die Lieferungen verzögert.

Priscilla Ama Addo, selbst HIV-positiv, setzt sich mit großem Engagement für die Rechte junger Menschen mit HIV ein. Sie arbeitet für Hope for Future Generations und ist Präsidentin der Young Health Advocates Ghana, einem Netzwerk mit über 700 Mitgliedern. Trotz Fortschritten – die HIV-Rate sank von 30 % in den 1980er Jahren auf aktuell 7 % – bestehen weiterhin Ungleichheiten. Frauen sind mit einer Prävalenzrate von 2 % doppelt so stark betroffen wie Männer. Zudem fehlen vielen jungen Menschen grundlegende Informationen zu HIV.

Auch bei der Gesundheitsversorgung gibt es Barrieren: Notwendige Labortests für die HIV-Therapie werden nur für bestimmte Gruppen subventioniert. Besonders junge Menschen können sich die Untersuchungen oft nicht leisten. „Jeder Mensch hat ein Recht auf hochwertige Gesundheitsversorgung – unabhängig von finanzieller Lage, Geschlecht oder sexueller Orientierung“, betont Addo.

Verschärfte Strafverfolgung und Pogromstimmung

Ein neues Anti-Homosexuellen-Gesetz, das im Februar 2024 vom Parlament verabschiedet wurde, könnte den Zugang zur Gesundheitsversorgung für queere Menschen drastisch einschränken. Es sieht härtere Strafen für Homosexualität und die Unterstützung von LGBTIQ*-Personen vor. Auch Organisationen, die sich für queere Menschen einsetzen, drohen Strafen. Bereits jetzt haben sich Übergriffe, Verhaftungen und öffentliche Bloßstellungen queer lebender Menschen gehäuft. Die Angst vor einem Outing hält viele Betroffene davon ab, Gesundheitseinrichtungen aufzusuchen. Das neue Gesetz könnte ihnen den Zugang zu HIV-Medikamenten gänzlich verwehren.

Internationale Proteste gegen das Gesetzesvorhaben sind weitgehend verhallt. UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima warnt: „Dieses Gesetz wird den Zugang zu lebensrettenden Angeboten einschränken und den Kampf gegen Aids behindern.“ Ghana ist kein Einzelfall – in Uganda wurde 2023 ein ähnliches Gesetz verabschiedet, das für „schwere Homosexualität“ sogar die Todesstrafe vorsieht.

Historisch betrachtet stammen viele dieser Gesetze aus der Kolonialzeit. Christliche Fundamentalisten und rechte US-Kirchen haben die gesellschaftliche Ablehnung homosexueller Menschen weiter verstärkt. „Diese Gesetze gefährden Leben“, warnt Addo. „Gesundheitsversorgung muss für alle Menschen zugänglich sein.“

Communitybasierte Projekte als Schlüssel der HIV-Bekämpfung

Ein Schlüssel im Kampf gegen HIV ist die Förderung communitybasierter Projekte. In Ghana wurde durch den Globalen Fonds der Zugang zu Gesundheitsdiensten erheblich verbessert. Insbesondere in ländlichen Gebieten konnten mehr Menschen eine Therapie beginnen. Zudem wurde sichergestellt, dass Medikamente ganzjährig kostenfrei verfügbar sind. „Ich und viele meiner Freund*innen profitieren direkt davon“, sagt Addo.

Wichtig für den Erfolg ist die Zusammenarbeit lokaler Organisationen mit dem Globalen Fonds. Addo ist überzeugt: „Communitys müssen selbst an Maßnahmen beteiligt sein und diese mitgestalten.“ Sie setzt sich dafür ein, dass junge Menschen verstärkt Leitungsrollen übernehmen. „Ohne sie werden wir das Ziel, Aids bis 2030 zu beenden, nicht erreichen.“

Für Addo bedeutet gesundheitliche Chancengleichheit, dass jede*r eine faire Chance auf ein gesundes Leben hat – unabhängig von gesellschaftlicher Zugehörigkeit. „Wir müssen jungen Menschen die Möglichkeit geben, Veränderungen anzustoßen“, sagt sie. „Denn nur gemeinsam können wir eine gerechtere Zukunft schaffen.“

Text: Axel Schock 

Interview: Priyanka Ayer, Global Fund Advocates Network und Peter Wiessner, Aktionsbündnis gegen AIDS, Oktober 2024

FOTO Peter Wiessner: Priscilla Ama Addo

Video:  https://youtu.be/Tdr6awPdics

Dieser Beitrag ist Teil der Blogreihe zur 8. Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds. Seit dem 20. August 2025 veröffentlichen zivilgesellschaftliche Organisationen wöchentlich Beiträge zu globaler Gesundheitsfinanzierung, Chancengleichheit und der Rolle des Globalen Fonds.

Priscilla Ama Addo_FOTO Peter Wiessner

, 2026