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Offener Brief

Für eine vielfältige und ausgewogene Gesundheitsstrategie in der Entwicklungszusammenarbeit

 Offener Brief an Bundesministerin Alabali Radovan© Aktionsbündnis gegen AIDS

In einem offenen Brief wenden sich medmissio – Institut für Gesundheit weltweit sowie mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen an Bundesministerin Reem Alabali Radovan. Die unterzeichnenden Organisationen, darunter das Aktionsbündnis gegen AIDS e.V., die BUKO Pharma-Kampagne, die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), German Doctors e.V. und Tierärzte ohne Grenzen e.V., fordern eine starke, vielfältige und aufeinander abgestimmte globale Gesundheitsstrategie im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Vor dem Hintergrund wachsender globaler Gesundheitsbedrohungen, von Pandemien über antimikrobielle Resistenzen bis hin zu den Folgen des Klimawandels und wachsender Flucht- und Migrationsbewegungen, betonen die Verfasser*innen die Notwendigkeit eines kontinuierlichen und ressortübergreifenden Engagements für globale Gesundheit.

„Gesundheit kennt keine Grenzen – deshalb liegt es im ureigenen Interesse Deutschlands, sich weiterhin aktiv für globale Gesundheit zu engagieren“, heißt es im Schreiben.

Zivilgesellschaft als unverzichtbarer Akteur

Die Unterzeichnenden rufen das BMZ dazu auf, die drei Säulen der Entwicklungszusammenarbeit – multilaterale, bilaterale und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit – gleichberechtigt zu fördern und stärker miteinander zu verzahnen. Nur durch diese Vielfalt könne wirksam auf die komplexen Herausforderungen im Bereich der globalen Gesundheit reagiert werden.

Tilman Rüppel, Referent für politische Anwaltschaft bei medmissio und Verfasser des Briefes, hebt die besondere Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen hervor:

„Zivilgesellschaftliche Akteure arbeiten oft in unmittelbarem Kontakt mit betroffenen Menschen – gerade in Regionen, in denen staatliche oder multilaterale Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Sie handeln flexibel, reagieren schnell auf Krisen und bringen innovative Ansätze in die Praxis.“

Zudem werde durch ihre wertegeleitete Arbeit – etwa im Bereich der HIV-Prävention oder der sexuellen und reproduktiven Gesundheit – Vertrauen aufgebaut und der Zugang zu besonders vulnerablen Gruppen verbessert. Als Stimme marginalisierter Bevölkerungsgruppen übernähmen zivilgesellschaftliche Organisationen darüber hinaus wichtige Kontroll- und Advocacy-Funktionen.

Multilateral,  aber nicht einseitig

Der offene Brief würdigt ausdrücklich das gestärkte Engagement Deutschlands für multilaterale Gesundheitsinitiativen wie den Globalen Fonds, GAVI oder die WHO. Gleichzeitig mahnen die Organisationen, dass diese Unterstützung nicht zu Lasten bilateraler oder zivilgesellschaftlicher Strukturen gehen dürfe.

„Die Kombination multilateraler Effektivität, bilateraler Steuerbarkeit und zivilgesellschaftlicher Reichweite ist der Schlüssel für eine glaubwürdige, solidarische und zukunftsfähige globale Gesundheitspolitik“, heißt es weiter.

Ein gelungenes Beispiel für dieses Zusammenspiel sei der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria: Über 65 Millionen gerettete Leben und eine aktive Einbindung zivilgesellschaftlicher Partner*innen – sowohl in der Umsetzung als auch in der Entscheidungsfindung – belegen den Erfolg dieses Modells. Auch Programme wie die BACKUP-Initiative der GIZ unterstützten gezielt die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren bei der Nutzung multilateraler Mittel.

Klare Erwartung an die Bundesregierung

Der Brief endet mit einem deutlichen Appell an das BMZ, auch künftig auf eine starke, komplementär aufgestellte Gesundheitsstrategie zu setzen, in der Zivilgesellschaft als eigenständiger Partner sichtbar, wirksam und verlässlich eingebunden ist, in Deutschland wie in den Partnerländern.

Hier geht es zum offenen Brief im Original.

, 2026