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Gastbeitrag von Ulrike Sonnenberg-Schwan

Neuinfektionen mit HIV: Mädchen tragen weltweit die Hauptlast

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Das Risiko von Mädchen, sich mit HIV zu infizieren, ist mehr als doppelt so hoch wie bei Jungen, so ein Bericht in der Washington Post über eine aktuelle Datenanalyse von UNICEF. Laut der Organisation wurden allein im Jahr 2022 fast 98.000 heranwachsende Mädchen mit HIV infiziert. Wir bedanken uns bei Ulrike Sonnenberg-Schwan für den interessanten Beitrag und bei Projekt Information in deren Publikation dieser Artikel zum ersten Mal erschienen ist.

Das Risiko von Mädchen, sich mit HIV zu infizieren, ist mehr als doppelt so hoch wie bei Jungen, so ein Bericht in der Washington Post über eine aktuelle Datenanalyse von UNICEF. Laut der Organisation wurden allein im Jahr 2022 fast 98.000 heranwachsende Mädchen mit HIV infiziert.

Die Analyse stellt auf der einen Seite "enorme Fortschritte" bei der HIV-Prävention, -Testung und -Behandlung fest. So ist seit dem Jahr 2000 die jährliche Zahl der vertikalen HIV-Infektionen um 76% zurückgegangen. Im Jahr 2022 wurden halb so viele Mädchen und junge Frauen mit HIV infiziert wie 2010. Die Daten zeigen aber andererseits, dass 71 % der Neuinfektionen bei Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren Mädchen betreffen.

Geschlechtsspezifische Benachteiligungen, der begrenzte Zugang zur Gesundheitsversorgung und der Mangel an Bildungsprogrammen setzen Mädchen und junge Frauen weltweit einem besonderen HIV-Risiko aus. Auch Diskriminierung und die Verweigerung von Rechten tragen zu dieser Situation bei, die durch Armut und Gewalterfahrungen noch verschlimmert wird.

2022 lebten weltweit mehr als 1,7 Millionen Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren mit einer HIV-Infektion. Sie stellen 4 % aller Menschen mit HIV, aber 10 % der Neuinfektionen. Und der Anteil steigt. 8 7% aller Kinder im Alter von 0 – 14 Jahren und 82 % der 10 – 19jährigen mit HIV leben in Subsahara-Afrika.

Allerdings gibt es weiterhin große Lücken in der Versorgung: So haben immer noch 25 % der Kinder keine frühzeitige HIV-Diagnose erhalten, der Zugang zur lebensrettenden Behandlung ist für Kinder und Jugendliche immer noch sehr viel schwieriger als für Erwachsene, und sie sterben auch häufiger an Aids-bedingten Erkrankungen.

Und nach wie vor ist die HIV-Infektionsrate bei Mädchen und jungen Frauen in Subsahara-Afrika überproportional hoch. In Afrika südlich der Sahara, wo der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit HIV am höchsten ist, ist die Prävalenz bei Mädchen und jungen Frauen dreimal so hoch wie bei Männern.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass heranwachsende Mädchen, die ihre Zukunft planen sollten, weiterhin die schwerste Last der HIV-Infektion tragen", sagte Anurita Bains, stellvertretende UNICEF-Direktorin für HIV/AIDS, in einer Presseerklärung. "Wir - die Vereinten Nationen, Gemeinschaften, Regierungen und Organisationen - müssen die Hindernisse aus dem Weg räumen, die HIV zu einer Bedrohung für ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen machen. Dazu gehört auch die Gewährleistung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und der Rechte von heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen."

Im östlichen und südlichen Afrika ist die Zahl der HIV-infizierten Kinder zwischen Geburt und 19 Jahren am höchsten, aber auch in West- und Zentralafrika, Ostasien und im Pazifikraum ist die Zahl der HIV-Infizierten am höchsten. Insgesamt geht aus dem Bericht hervor, dass fast 1 Million Kinder und Jugendliche mit HIV unbehandelt bleiben und die antiretrovirale Behandlung aufgrund von Testanforderungen und einem Mangel an altersgerechten Medikamenten weltweit zurückbleibt.

Trotz des anhaltenden Risikos für Mädchen weltweit dokumentiert der Bericht Fortschritte bei der Prävention und Behandlung von HIV/Aids. Die Fortschritte sind zwar nach wie vor langsam, aber es wurden "bemerkenswerte" Fortschritte erzielt, die die Übertragung von der Mutter auf das Kind verlangsamt haben, und die Agentur stellt "dramatische" Verbesserungen bei HIV-Tests und -Behandlung fest, insbesondere bei Kleinkindern. Weltweit hatten im Jahr 2022 82 % der schwangeren und stillenden Frauen Zugang zu antiretroviraler Behandlung – im Jahr 2010 waren es noch 45 %.

Laut Unicef haben inzwischen weltweit 15 Länder die Mutter-Kind-Übertragung von HIV so gut wie gestoppt, darunter Botswana als erstes Land mit einer sehr hohen HIV-Prävalenz. Weitere afrikanische Länder wir Malawi, Südafrika und Namibia sind auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Allerdings: Mehr als der Hälfte aller Schwangeren, die außerhalb von Subsahara-Afrika lebt, standen keine lebensnotwendigen antiretroviralen Medikamente zur Verfügung.

Auch die Diskriminierung ist nach wie vor ein großes Problem: In einer Erhebung in 54 Ländern äußerten fast 60 % der Befragten diskriminierende Einstellungen gegenüber Menschen mit HIV.

Quellen:
Girls bear the brunt of new HIV infections, assessment suggests. Washington Post, 17. Dezember 2023
Despite progress, adolescent girls continue to bear the brunt of the HIV epidemic with 98,000 new infections in 2022. UNICEF press release, 1. Dezember 2023

Erstveröffentlichung: Projekt Infomation Jahrgang 32, Nr. 2, Seite 8-9

Grafik: AI generiert 

Aktionsbündnis gegen AIDS, 2024