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Konferenzbericht aus dem Blickwinkel der Community

Eröffnungspanel - #GetBackOnTrack - was ist Solidarität?

Foto Daniel Tonwsend - Alexej Stoljarov

Dieser Artikel wurde anlässlich unserer Konferenz, die wir mit Partnerorganisationen am 08. September 2022 durchgeführt hatten, verfasst: "Get back on track! Der Beitrag des Globalen Fonds zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele 2030". Wir haben Daniel Townsend, Constituency Focal Point for Developed Country NGO Delegation for the Global Fund, Berlin, gebeten, über seine Eindrücke vom Eröffnungspanel "#GetBackOnTrack! "zu schreiben, wobei er die Perspektive von Communities, die mit HIV, Tuberkulose und Malaria leben, berücksichtigt hat. Wir haben bewusst nicht um eine objektive Darstellung der Diskussionen und des Ablaufs der Sitzung gebeten. Der Text wurde von uns aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Wir möchten Daniel für seinen Beitrag danken!

Moderation: Raminta Stuikyte, Senior Advisor, Underserved Population Program, Lithuania and Andreas Hübers, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)

Die COVID-19-Pandemie hat uns noch weiter zurückgeworfen. Die Pandemie hat aber auch gezeigt, dass das Problem nicht vom Gesundheitssektor allein bewältigt werden kann. Es bedarf einer sektorübergreifenden Zusammenarbeit in Abstimmung mit den Communities, um die weiter gefassten Gesundheitsfaktoren anzugehen. Nur so können wir die Ziele der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) erreichen und den Bedürfnissen der am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen gerecht werden. Ich empfehle dem Globalen Fonds, die Communities in den Mittelpunkt seiner neuen Strategie zu stellen, die die Wiederauffüllung des Globalen Fonds voll unterstützt. Wir setzen uns auch weiterhin für unsere Partnerschaft ein. Und wir arbeiten gemeinsam daran, die Epidemien von HIV, Tuberkulose und Malaria zu beenden, um eine gesündere, sicherere und gerechtere Welt zu schaffen.

- Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation

Die Sitzung wurde von Heidemarie Wieczorek-Zeul, Freunde des Globalen Fonds Europa und von Tilman Rüppel, Aktionsbündnis gegen AIDS eröffnet, der die Bedeutung von Investitionen und die Rolle des Globalen Fonds bei der Erreichung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung und der Bewältigung der dringenden Herausforderungen, die HIV, Tuberkulose und Malaria mit sich bringt, hervorhob. Er betonte die Bedeutung des gegenwärtigen Zeitpunkts und gab einen Überblick über die Podiumsdiskussion, in deren Mittelpunkt die Rolle Deutschlands als Global Health Champion steht. Er betonte die Bedeutung des Globalen Fonds als wichtige Institution in der globalen Gesundheitsarchitektur. Er sollte wieder aufgefüllt werden, um seinen Auftrag und sein Mandat zu erfüllen, das seit der Covid-Pandemie gefährdet ist. Als führendes Land im Bereich der globalen Gesundheit demonstriert Deutschland weiterhin sein Engagement für die Verwirklichung eines multilateralen Ökosystems, das auf die dringendsten Herausforderungen der Welt reagieren kann. Das Publikum applaudierte der Aufstockung des deutschen Beitrags, die am Vormittag angekündigt worden war.

Die Diskussionsteilnehmer: Bettina Hagedorn, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundestages, Svenja Schulze, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Peter Sands, Exekutivdirektor des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria, Valeria Rachinska, Direktorin für Menschenrechte, Gender und kommunale Entwicklung, 100% Coalition und Efraim Gomez, Stabschef von UNAIDS.

Die erste Frage, was der Globale Fonds in den nächsten drei Jahren braucht, wurde an Ministerin Svenja Schulze gerichtet. Sie antwortete und bekräftigte, dass Deutschland davon überzeugt sei, dass der GF wichtige Arbeit leiste und die Strategie unterstütze, die finanziert werden müsse. Deutschland hat seinen Ehrgeiz durch die direkte Finanzierung des Globalen Fonds und durch Schuldenumwandlungen geweckt, um es diesen Ländern zu ermöglichen, mehr direkte Investitionen in Gesundheit und Ressourcen zu tätigen. Sie brachte ihre Unterstützung für die neue Strategie des Globalen Fonds zum Ausdruck und bekräftigte, dass Deutschland an die langfristige Vision und das Mandat des Globalen Fonds glaubt. Sie betonte ferner, dass Deutschland zwar das Wiederauffüllungsziel erreicht habe, aber weiterhin andere Maßnahmen verfolgen werde, wie z. B. Schuldenumwandlungen für Länder mit niedrigem Einkommen und andere makroökonomische Reformen, um Mittel für höhere Inlandsausgaben zu mobilisieren. Sie betonte, dass Deutschland weiterhin Druck auf die wichtigsten G7-Verbündeten ausüben werde, um sicherzustellen, dass sie das Wiederauffüllungsziel einhalten.

Peter Sands wurde gefragt: "Was wäre für Sie am Tag der Wiederauffüllungskonferenz ein Erfolg und wie geht es weiter in den darauffolgenden drei Jahren und was sind Ihrer Meinung nach die Szenarien, die uns in Bezug auf Pandemien erwarten, wenn wir das Ziel nicht erreichen?“

Er beglückwünschte die deutsche Regierung zu ihrem anhaltenden Engagement für die globale Gesundheitsagenda und das Leben vieler Menschen weltweit. Darüber hinaus würdigte er die Führungsrolle von Ministerin Schulze, deren erfolgreiche Bemühungen angesichts enormer konkurrierender Prioritäten erreicht wurden. Unter Verweis auf seine Erfahrungen in Tansania stellte er fest, dass der Globale Fonds ein Erfolg ist, der sich im täglichen Leben leicht erkennen lässt. Gleichzeitig gibt es aber auch wichtige Herausforderungen, wie den Schutz der Rechte von heranwachsenden Mädchen und 

Junge Frauen, Stigmatisierung und Diskriminierung, die Stärkung wichtiger Infrastrukturen zur Durchführung von Tuberkuloseprogrammen und die Umsetzung solider Programme zur Malariabekämpfung. Am Beispiel Tansanias wies er darauf hin, dass der Globale Fonds zwar die notwendigen Mittel für den Ausbau mobiler Tuberkulose-Diagnosefahrzeuge bereitstellen konnte, Tansania, eines der größten Länder Afrikas, aber nur über fünf verfügt. Dies sei ein eklatantes Beispiel und ein klarer Fall für den Globalen Fonds. Sein Auftrag und seine Arbeit seien nach wie vor gültig, und er forderte die Global-Health-Communities auf, ihn nicht aufzugeben. 

Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, Menschenrechte und die Befähigung von Gemeinschaften, sich selbst zu schützen und zu versorgen, anstatt sich ausschließlich auf das Gesundheitssystem zu verlassen. Wir brauchen widerstandsfähigere Gesundheitssysteme, um die Menschen vor künftigen Krankheitserregern zu schützen, und dafür müssen Länder wie Deutschland eine Führungsrolle übernehmen, und das wird Geld kosten.

- Peter Sands, Exekutivdirektor des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria

Was muss geschehen, um Ungleichheiten zu beseitigen?

Im Anschluss an die Sitzung fand eine offene Diskussion zwischen den Podiumsteilnehmern statt, bei der die erste Frage lautete: "Wie können die Mittel des Globalen Fonds eingesetzt werden? Was muss geschehen, um Ungleichheiten zu beseitigen? Warum ist das wichtig?

Efraim Gomez wies darauf hin, dass die SDGs ausdrücklich das Ende von HIV, Tuberkulose und Malaria vorsehen. Er erklärte, dass die Bekämpfung von Ungleichheiten die Blaupause der AIDS-Bekämpfung ist. Erstens gibt es im Rahmen der HIV-Bekämpfung Ungleichheiten, die dringend die Aufmerksamkeit der globalen Gesundheitscommunity erfordern. Die Ungleichheit bei der HIV-Bekämpfung zwischen Ländern mit hohem Einkommen und Ländern mit niedrigem Einkommen muss dringend angegangen werden, und wir müssen dies jetzt tun. Danach müssen wir uns mit den Ungleichheiten befassen, die die Reaktion beeinträchtigen und einige Länder weiterhin anfällig für neue HIV-, Tuberkulose- und Malariainfektionen sowie für neue Pandemien machen. Seiner Meinung nach müssen wir Ungleichheiten auf kommunaler Ebene angehen. So könnten wir beispielsweise mehr tun, um sicherzustellen, dass Kinder, die mit HIV leben, Zugang zu lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten (ARV) haben; derzeit hat nur die Hälfte derjenigen, die sie benötigen, Zugang. Zum Abschluss seiner Ausführungen forderte er die Zuhörer auf, mehr zu tun, um den Bedürfnissen der wichtigsten Bevölkerungsgruppen und den HIV-Syndromen gerecht zu werden, die die Epidemie in diesen Gemeinschaften weiter anheizen.

Was bedeutet für Sie Solidarität?

Valeria Rachinska wurde im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine gefragt: "Was bedeutet Solidarität für Sie?" und "Was bedeutet es, Gemeinschaften in den Mittelpunkt zu stellen?". Sie erklärte eindringlich, dass der Globale Fonds die vom russischen Krieg betroffenen Gemeinschaften nicht im Stich gelassen hat. Sie würdigte die Freigabe von Soforthilfegeldern in den ersten Tagen des Krieges und lobte den Globalen Fonds. Dank der vom Globalen Fonds geleisteten Soforthilfe sind der Ukraine die notwendigen ARV-Medikamente nicht ausgegangen. Sie arbeitet weiterhin mit Partnern aus der Gemeinschaft zusammen, was unser Ansehen im nationalen Dialog verbessert hat.

Communities brauchen in Krisenzeiten Ressourcen; Ressourcen retten Leben und geben uns Hoffnung zu kämpfen, und das ist es, was Solidarität bedeutet.

Der Autor: Daniel Townsend ist der Constituency Focal Point für die NGO-Delegation der Industrieländer. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der globalen Gesundheitspolitik und in der Kommunikationsarbeit und hat viel Erfahrung in der Gestaltung von Strategien für Bevölkerungsgruppen und Gemeinschaften, die mit multidimensionalen und intersektionalen Gesundheitsbarrieren zu kämpfen haben.

Weitere Informationen 

Aktion gegen AIDS

info@aids-kampagne.de

Oktober 2022

Fotos: Alexej Stolarov

Aktionsbündnis gegen AIDS, 2022