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Sechs zentrale Forderungen an den Globalen Fond zur Umsetzung der COVID-19 Arbeit

Das Global Fund Advocacy Network (GFAN), ein Netzwerk zur Unterstützung des Globalen Fonds bei dem wir als Aktionsbündnis aktives Mitglied sind, richtet sich mit sechs Forderungen für die Maßnahmengestaltung gegen Covid-19 an den Global Fonds. Der Forderungskatalog wurde durch uns mit entwickelt und von einer Vielzahl internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen und einflussreichen Einzelpersonen unterzeichnet und unterstützt. Der Forderungskatalog unterstreicht verschiedene Aspekte, die für eine Regelung der gegen COVID-19 gerichteten Maßnahmen notwendig sind. Die Wahrung der Menschenrechte und der Würde eines jeden Einzelnen stehen für uns im Mittelpunkt. Nur unter Berücksichtigung dieser Aspekte ist eine umgreifende Abwehr gegen hohe Ansteckungszahlen und Diskriminierung besonders gefährdeter Gruppen möglich. Dabei erinnern wir uns auch an unsere Geschichte mit HIV: Aus den damaligen und heutigen Maßnahmen die zur Eindämmung der HIV Epidemie ergriffen wurden, ziehen wir Erkenntnisse und Lernerfahrungen, die auf die Corona Epidemie übertragen werden können und sollten.

Menschenrechte in den Mittelpunkt!

Während sich die Pandemie auf ärmere Länder und auf Länder mit höheren Raten anderer tödlicher Infektionskrankheiten wie HIV, Tuberkulose und Malaria ausbreitet, sind wir besorgt, dass die am stärksten betroffenen und am stärksten gefährdeten Menschen, d.h. diejenigen mit der geringsten Gesundheitssicherheit, auch die Auswirkungen von COVID-19 stärker zu spüren bekommen.

Die harte Realität sieht so aus, dass viele nicht in der Lage sein werden die geforderten Abstandsregeln (social distancing) oder die Regelungen zur Selbstisolierung zu praktizieren. Viele Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen werden keine andere Wahl haben, als weiter zu arbeiten - auch wenn sie krank sind. Wir erleben bereits jetzt, dass bspw. die Dienste zur HIV-Prävention und Schadensminimierungsprogramme (Harm Reduction) für Drogengebrauchende von heute auf morgen geschlossen werden. Die Versorgung mit HIV- und Tuberkulosemedikamenten und anderen wichtigen Maßnahmen ist bedroht.

Während der gegenwärtigen globalen COVID-19-Pandemie ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Würde des Einzelnen und die Menschenrechte bei allen Maßnahmen zu Prävention und Behandlung respektiert werden. Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um sicherzustellen, dass Stigmatisierung und Diskriminierung keine Hindernisse für die Prävention, den Zugang zu medizinischer Versorgung, Diagnose, Behandlung, Information und damit verbundenen sozialen Unterstützungsleistungen darstellen.

Vor dem Hintergrund unserer Geschichte und unseren Erfahrungen mit HIV, Tuberkulose und Malaria müssen wir feststellen, dass uns immer noch Innovationen und Instrumente fehlen, um Infektionsketten unterbrechen und die Kurve von Neuinfektionen abflachen zu können.

Die Messlatte höher legen, um die Kurve abzuflachen: Warum Investitionen in alle Aspekte der Gesundheit und der Menschenrechte notwendig sind, um die Auswirkungen von COVID-19 auf die bestehenden Gesundheitssysteme zu verringern.

Als Communities und Zivilgesellschaft, die an der Umsetzung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria ("Globaler Fonds") beteiligt sind und sich für Ressourcen für diesen Fonds einsetzen, fordern wir seit langem, dass Zivilgesellschaft und Schlüsselgruppen auf allen Ebenen - von der Planung über die Umsetzung bis zur Überwachung von Programmen - aktiv beteiligt und einbezogen werden.

Wir müssen die Kurve von Armut, Gewalt, Kriminalisierung, Stigmatisierung und Diskriminierung abflachen.  Wir müssen sicherstellen, dass der Zugang zu notwendiger medizinischer Behandlung und die Barrieren bei der Versorgung - insbesondere für die Schwächsten - nicht beeinträchtigt werden.  Wir haben den Schaden gesehen, den dies bei HIV und Tuberkulose angerichtet hat, und wir sind besorgt darüber, dass durch  "Lockdown"-Visionen der globalen Gesundheitssicherheit als Antwort auf COVID-19 erneut dieselben Fehler gemacht werden.

Nur mit integrativen und angemessen finanzierten Gesundheitssystemen, die sich mit der Integration von der Community und mit Fragen der Rechte, Stigmatisierung und Diskriminierung befassen, können wir beginnen, die gegenwärtige globale Krise von COVID-19 und die anhaltenden Krisen von Aids, Tuberkulose und Malaria anzugehen. Die Rolle der Communities ist im Kampf gegen Pandemien von entscheidender Bedeutung, um zeitnahe und genaue Informationen über die Bedürfnisse stigmatisierter und gefährdeter Patienten bereitzustellen. Wie in der Strategie des Globalen Fonds erwähnt, sind gestärkte Gesundheitssysteme der Gemeinschaften als integrale Bestandteile des öffentlichen Gesundheitssystems dringend erforderlich, wenn wir wirklich niemanden zurücklassen wollen.

Wir müssen die Messlatte dafür höher legen, was unsere Gesundheitssysteme leisten können und wie sie den Menschen dienen, während wir gleichzeitig versuchen, die Kurve der HIV-, TB- und Malaria-Epidemien und der COVID-19-Pandemie abzuflachen. 

Wie wir bei unseren Bemühungen mit HIV/Aids und Tuberkulose gelernt haben, kann es Jahrzehnte dauern, verhängte Restriktionen aufzuheben, Politik und Entscheidungsträger sowie die Öffentlichkeit zu entkriminalisieren und zu sensibilisieren, wenn wir die Rechte und die Würde des Einzelnen nicht in den Mittelpunkt unserer Maßnahmen stellen.

Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir sicherstellen, dass Länder mit weniger Ressourcen mit globalen öffentlichen Investitionen in die Lage versetzt werden, Maßnahmen zur Eindämmung der COVID 19 Pandemie einzusetzen, selbstverständlich unter Berücksichtigung der Menschenrechte und der Würde des Einzelnen.  Wir fordern Regierungen und internationale Organisationen nachdrücklich dazu auf, Bemühungen um menschenrechtsorientierte Maßnahmen gegen HIV, Tuberkulose und Malaria zu unterstützen und sicherzustellen, dass bereits erzielte Errungenschaften nicht verloren gehen.   

Forderungen der Communities und Zivilgesellschaft an den Globalen Fonds

Der Globale Fond hat schnell und früh auf die globalen Herausforderungen durch COVID-19 reagiert.  Wir haben sehr positive Ansätze gesehen, eine hohe Flexibilität im Rahmen von Zuschussverwendung zur Umsetzung von COVID-19 Programmen, die bereits in mehr als 66 Länder genehmigt worden sind, wodurch eine konzertierte Anstrengung, Informationen durch regelmäßige Aktualisierungen allgemein zugänglich gemacht werden kann. Während wir den Kampf gegen COVID-19 intensivieren, müssen wir sicherstellen, dass der Globale Fonds in der Lage bleibt, die Bemühungen zur Bekämpfung der HIV-, Tuberkulose- und Malaria-Epidemien fortzusetzen; unsere errungenen Erfolge sind nach wie vor fragil und könnten durch COVID-19 in Regionen mit geringen Ressourcen zunichtegemacht werden.

Als Zivilgesellschaft, Gruppen und Communities fordern wir den Globalen Fonds auf, uns als Partner im Kampf gegen COVID-19 zur Seite zu stehen:

1. Garantiert werden muss, dass in alle Maßnahmen, die im Kampf gegen COVID-19 entwickelt werden, Menschenrechte, die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Menschenwürde respektiert werden. Neben der Integration menschenrechtsbasierter Ansätze muss sichergestellt werden, dass wir die Kurve von Armut, Gewalt, Stigmatisierung und Diskriminierung abflachen und gleichzeitig die Messlatte dafür höher legen, was unsere Gesundheitssysteme tun können, während wir auf diese jüngste Bedrohung reagieren.   

2. Sicherstellen, dass Communities, sowie wichtige und betroffene Bevölkerungsgruppen einbezogen sind. Dies betrifft alle Diskussionen und Arbeitsgruppen zur Planung, Entwicklung und Durchführung der Maßnahmen der COVID-19 Pandemievorsorge, sowohl auf Länderebene, als auch im Sekretariat des Globalen Fonds.

3. Federführung bei der Bereitstellung von Leitlinien zu Fragen der Kontinuität der Erbringung von Dienstleistungen im Bereich HIV, Tuberkulose und Malaria übernehmen:  Gewährleistung der kontinuierlichen Erfüllung der zugesagten Ziele auch in Bezug auf die Sicherstellung  der Versorgungsketten auf nationaler und globaler Ebene - auch mit dem Ziel der Festigung und weiteren Finanzierung von Schlüsselprogramme zur Auffindung und Behandlung von Menschen mit HIV, Tuberkulose und Malaria. Dadurch  können  zentrale Strategien zum Schutz ihrer Gesundheit und zur Verringerung ihrer Anfälligkeit für COVID-19 umgesetzt werden, wobei gleichzeitig die Mitarbeiter der Communities und anderer Gesundheitseinrichtungen geschützt und die Einschränkungen der Labors und die Umleitung von Ressourcen berücksichtigt und angegangen werden.

4. Wahrung des Prinzips der universellen Gesundheitsversorgung nach dem Motto "Leave No one Behind " (Niemanden zurücklassen) und Annahme der Führungsrolle in verschiedenen Foren wie der Weltgesundheitsorganisation, dem Global Action Plan für Gesundheit u.a. zu nutzen, um für eine Maßnahmen einzutreten, die die Würde wahren und auf einen universellen Zugang zu qualitativ hochwertiger Diagnostik, zu Behandlung, Pflege und Unterstützung bei der Einhaltung der Vorschriften abzielt. Dies ohne finanzielle Härten zu erleiden. Des Weiteren erwarten wir einen Einsatz zur Beseitigung von Gewalt, Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung, um allen voran  diejenigen zu schützen, die am verletzlichsten und marginalisiert sind.

5. Darauf hinarbeiten, dass alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens, einschließlich der Mitarbeiter des kommunalen Gesundheitswesens, in abgestimmten Bemühungen angemessen unterstützt und geschult werden, sodass sie sich vor COVID-19 schützen können. Dies beinhaltet auch die Bereitstellung von Schutzausrüstung, wie chirurgische Masken und Atemschutzgeräte als Teil der abgestimmten Präventionsbemühungen, und bewegt sich hin zu integrierten Screening- und Testdiensten zwischen den drei Krankheiten HIV, TB und Malaria und COVID-19.

6. Aktive Unterstützung der Bemühungen um Innovation und die Suche nach Point-of-Care-Diagnostik und Behandlungen und schließlich nach einem Impfstoff, erschwinglich und zugänglich für alle. 

Übersetzung durch Theresa Kresse und Peter Wiessner, Aktionsbündnis gegen AIDS mit Verwendung des Übersetzungstools Deepl.com

Kontakt:

Aktionsbündnis gegen AIDS - Action against AIDS Germany

Rungestraße 19

10179 Berlin

www.aids-kampagne.de

mail: info@aids-kampagne.de

Via diesen Link können Sie den Originaltext sowie die lange Liste der Unterzeichner_innen einsehen.

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Aktionsbündnis gegen AIDS, 2020