Sie sind hier

  1. Start
  2. Themen
  3. Forschung & Entwicklung

Forschung & Entwicklung

Bessere, adäquate und bezahlbare Produkte notwendig

Bemühungen im Bereich "Forschung und Entwicklung" (F&E) sind wichtig, damit es Präventiva, Diagnostika und Medikamente gibt, die besser auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind, besser wirken, weniger Nebenwirkungen haben, die Therapie vereinfachen - und vor allem auch kostengünstiger sind

Die moderne HIV-Therapie ist eine Kombination mehrerer Substanzen, die den Ausbruch von AIDS verhindern können. Sie ermöglichen Menschen mit HIV eine durschnittliche Lebenserwartung, ein gesünderes Leben und dadurch an der Gesellschaft teilhaben und beitragen zu können. Die HIV-Medikamente müssen dazu kontinuierlich und ein Leben lang eingenommen werden. Eine effektive HIV-Therapie kann die Vermehrung des HI-Virus im Blut der betroffenen Person sogar soweit unter Kontrolle bekommen, dass das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen bedeutet das letztlich auch, dass das Risiko einer HIV-Übertragung fast vollständig verhindert wird. Beispielsweise, kann das Risiko einer HIV-Übertragung von Mutter-zu-Kind fast vollständig verhindert werden, wenn eine schwangere Frau mit HIV frühzeitig Zugang zu einer HIV-Therapie hat.

Neben diesen tollen Entwicklungen muss man aber fest stellen, dass es noch Lücken in der Forschung und Entwicklung (F&E) gibt, die rasch geschlossen werden müssen. Gesundheitsprobleme, die vor allem die wirtschaftlich benachteiligte Mehrheit der Weltbevölkerung betreffen, bieten für gewinnorientierte Pharmaunternehmen nur einen geringen Anreiz für Investitionen in die Entwicklung der entsprechenden Diagnostika und Medikamente. Das trifft für die 17 WHO-definierten vernachlässigten Tropenkrankheiten, gilt aber vor allem auch für wesentliche Aspekte von HIV und Aids.

Diagnostika

Der Zugang zu HIV-Testverfahren ist wesentlich sowohl für einen frühzeitigen Beginn einer Medikamentenbehandlung als auch für eine effektive Behandlung. Für die Verlaufskontrolle einer HIV-Infektion sind vor allem zwei unterschiedliche Blutwerte wichtig, die mit verschiedenen Testverfahren erfasst werden. In Entwicklungsländern am stärksten verbreitet sind Tests, welche die Anzahl sog.  CD4-Zellen messen und so Aussagen über den Zustand des Immunsystems erlauben. Um eine langfristige und effektive Medikamentenbehandlung zu gewährleisten, ist aber der flächendeckende Zugang zu Testverfahren zur Messung der Viruslast erforderlich. Damit lässt sich feststellen, ob eine Behandlung tatsächlich wirkt, also die Vermehrung von HIV unterbindet. Damit ist es möglich rechtzeitig gegenzusteuern, wenn die Medikamente nicht den Therapieempfehlungen entsprechend eingenommen werden oder sich bereits Resistenzen gebildet haben. Dann ist es möglich,  frühzeitig die Therapiebegleitung zu verstärken oder auf andere Medikamente umzustellen. 

In Ländern hoher Einkommen sind Viruslasttests zur Erfassung der Behandlungseffektivität der Standard - in Entwicklungsländern nicht. Auch kann mit Viruslast-Tests – anders als mit Antikörper-Tests - schon sehr früh erkannt werden, ob Neugeborene sich mit dem HI-Virus der Mutter infiziert haben und schnellstmöglich Medikamente brauchen, um ihre Überlebenschancen zu sichern. Die Kosten von bis zu 50.000 US Dollar für die Analysegeräte und bis zu 50 US-Dollar für die Durchführung eines einzelnen Tests sind für die meisten Entwicklungsländer kaum bezahlbar. Oft sind durch die hohen Kosten und die Notwendigkeit über speziell geschultes Personal zu verfügen, Viruslasttestgeräte nur in (Groß-) Städten verfügbar, was im Zusammenhang mit einer schwachen Infrastruktur zu weiteren Problemen führt.

Das Aktionsbündnis gegen AIDS setzt sich dafür ein, dass

  • verstärkt in Forschung und Entwicklung für Laborgeräte wie auch sog. Point-of-Care (POC) - Tests investiert wird, die einfach und schnell direkt vor Ort einsetzbar sind.
  • es eine Verständigung auf Gerätestandards in der Entwicklung gibt, so dass Preise gesenkt und die Handhabbarkeit beispielsweise durch geringeren Schulungsaufwand für Personal, den Wegfall einer Kühlkette für den Transport von Blutproben oder einfache und kostengünstige Reagenzien vereinfacht wird.
  • Diagnostikahersteller die Preise für Viruslasttestgeräte drastisch senken

Weitere Infos:

Kinder und HIV

Nach den Behandlungsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation sollten HIV-positiv getestete Kinder unter fünf Jahren sofort behandelt werden. Ohne Therapie liegt ihr Risiko in den ersten zwei Lebensjahren zu sterben bei 50%. Kinder, besonders Kleinkinder, sollten deshalb bei der Behandlung höchste Priorität haben. Gerade die Therapie von Kindern wird aber dadurch erschwert, dass nicht alle antiretroviralen Medikamente, die für Erwachsene eingesetzt werden, auch für Kinder jüngeren Alters verwendet werden können: Manche der Medikamente enthalten bis zu 50% Alkohol oder haben einen sehr bitteren Geschmack. Auch sind die Darreichungsformen der Medikamente für Säuglinge und Kleinkinder oft nicht optimal und es gibt bisher relativ wenig Kombinationspräparate für Kinder, die mehrere Arzneistoffe in nur einer Pille vereinen und so die Einnahme zusätzlich erleichtern. Hier hat der Patentpool in den letzen Jahren eine wichtige Rolle gespielt und wird es auch in Zukunft (siehe unten). Die nach den aktuellen Richtlinien für Kleinkinder vorgesehenen Medikamente sind schon an den Pool lizenziert oder sind aufgrund der vor längerer Zeit entwickelten Wirkstoffe in den meisten Ländern nicht patentiert. Über Lizenznehmer (vor allem indische Generikafirmen) können dann kindgerechte Darreichungsformen für Kombinationspräparate hergestellt werden.

Das Aktionsbündnis gegen AIDS setzt sich dafür ein, dass

  • Pharmafirmen, die wichtige Patente auf HIV-Medikamente halten, diese an den Patentpool geben, damit schneller (bezahlbare) kinderechte Versionen und Kombinationspräparate von HIV-Medikamenten entwickelt und produziert werden können
  • Mehr in die Forschung und Entwicklung von kindgerechten HIV-Produkten investiert wird und insbesondere auch öffentliche Mittel bereitgestellt werden

Mikrobizide

In vielen Situationen können Frauen nicht selbständig darüber entscheiden, ob beim Geschlechtsverkehr ein Kondom als Schutz vor einer potentiellen HIV-Infektion genutzt werden kann. Das hängt mit der noch immer nicht überwundenen Benachteiligung und der Gewalt gegen Frauen zusammen.

Um die Möglichkeiten der Frau in der HIV-Prävention zu stärken, wird an sogenannten Mikrobiziden geforscht. Sie werden als Gel, Kreme, Vaginalring u.a. in die Scheide eingeführt und geben - für den Sexualpartner unsichtbar - permanent einen Wirkstoff ab, der vor einer HIV-Infektion schützen kann.

Das Aktionsbündnis gegen AIDS setzt sich dafür ein, dass

  • Mikrobizid-Forschung adäquat gefördert wird.

Weitere Informationen finden Sie hier in englischer Sprache.

Patentpool

Der Medicines Patent Pool (MPP) ist ein wichtiges Instrument, um die Entwicklung adäquater Therapien zu beschleunigen und letztlich auch Produktpreise zu senken. Er funktioniert so, dass Pharmafirmen, die Patente auf wichtige HIV/Aids-Präparate halten, diese in den Patentpool geben. Dritte, wie zum Beispiel Generikahersteller, können darauf zugreifen und Kombinationspräparate entwickeln, also Kombinationen mehrer von häufig unterschiedlichen Patentinhabenden patentierten Wirkstoffe, oder auch Generika produzieren.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Patentpool im Themenbereich "Preise, Patente, Generika, Patentpool".

Das Aktionsbündnis gegen AIDS setzt sich dafür ein, dass

  • Pharmafirmen motiviert werden, sich an dieser wichtigen Initiative mit entsprechend guten Konditionen zu beteiligen, um die lebenslange Therapie für Kinder und Erwachsene bezahlbar zu machen

Heilung und Impfung

Die Forschung an einem Impfstoff gegen HIV hat sich durch die Vielfalt und Veränderbarkeit des Virus als schwierig erwiesen. Es ist derzeit nicht absehbar, wann und ob ein Impfstoff zur Verfügung stehen kann. Es gibt allerdings deutliche Tendenzen, eine vollständige oder zumindest eine sog. funktionelle Heilung, bei der das Immunsystem der infizierten Person selbst das Virus unter Kontrolle bekommt, zu ermöglichen.

Das Aktionsbündnis gegen AIDS setzt sich dafür ein, dass

  • die Forschung im Bereich HIV und Aids adäquat finanziert wird

Weitere Infos:

Heilung. Med-Info. Broschüre von Deutsche Aids-Hilfe. Januar 2015

Produktentwicklungspartnerschaften - PDPs

Sogenannte Produktentwicklungspartnerschaften (Product Development Partnerships - PDPs) sind nicht-profitorientierte Netzwerke, welche die Stärken unterschiedlicher stakeholder zusammenbringt, um hoch-effizient an der Entwicklung von Produkten für vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten zu arbeiten. Die Bundesregierung hat in einem neuen
Förderansatz von 2011 bis 2014 mit der Summe von 20 Mio. € PDPs gefördert. Allerdings ist dieser Betrag nicht nur zu gering, sondern HIV und Aids waren genauso wie Malaria und Tuberkulose explizit von der Förderung ausgeschlossen.

Das Aktionsbündnis gegen AIDS setzt sich dafür ein, dass

  • Deutschland die PDP-Förderung mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio. € ausstattet und ohne Ausschluss von armutsassoziierten Krankheiten wie HIV und Aids, Malaria und Tuberkulose oder entsprechenden Produkten weiterführt

Aktionsbündnis gegen AIDS, 2017