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"HIV in Osteuropa - die unbemerkte Epidemie?!" - 17.10.2017

unsere Dokumentation zur Konferenz ist online

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am 17. Oktober 2017 berieten in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin rund 80 Fachleute aus osteuropäischen und deutschen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen auf der Konferenz „HIV in Osteuropa – die unbemerkte Epidemie?!“ über die Frage, wie die Infektion in der Region unter Kontrolle gebracht werden kann. Nun ist unsere Dokumentation zu dieser spannenden Veranstaltung fertig.

am 17. Oktober 2017 berieten in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin rund 80 Fachleute aus osteuropäischen und deutschen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen auf der Konferenz „HIV in Osteuropa – die unbemerkte Epidemie?!“ über die Frage, wie die Infektion in der Region unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Teilnehmenden aus 12 Ländern stellten sich dabei insbesondere den Fragen: Aus welchen Gründen scheinen die Anstrengungen der Akteure nicht zu greifen? Was wird aus Sicht der im HIV-Kontext Tätigen für eine angemessene Prävention und Behandlung gebraucht? Wie können Zivilgesellschaft und Politik in Deutschland und weltweit sinnvoll darauf reagieren und unterstützend tätig werden? Die Konferenz, zu der das Aktionsbündnis gegen AIDS, Brot für die Welt und die Deutsche AIDS-Hilfe eingeladen hatten, sollte auch dazu beitragen, dass die weitgehend unbeachtete Katastrophe in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt.

Sehr deutlich wurde vor Augen geführt, welches Ausmaß die Epidemie in Osteuropa und Zentralasien inzwischen erreicht hat – sie ist heute weltweit eine der Regionen, in der sich HIV nahezu ungebremst ausbreitet. Im Jahr 2016 gab es allein in der Russischen Föderation mehr als 100.000 HIV-Neuinfektionen, und Ende 2015 hatte die Zahl der offiziell registrierten Menschen mit HIV dort bereits die Millionengrenze überschritten.

Die Konferenz hat vor allem auch gezeigt, welche besondere Rolle den zivilgesellschaftlichen Organisationen zukommt, die sich unter schwierigen Bedingungen engagieren. Was hierzulande längst selbstverständlich ist – nämlich dass Prävention nur funktionieren kann, wenn diejenigen Gruppen, um die es geht, sie mitgestalten können – ist in Osteuropa und Zentralasien weit entfernt von der Realität, wie in Vorträgen und Wortmeldungen immer wieder deutlich wurde. In der Russischen Föderation gilt das Verbot „homosexueller Propaganda“, Gewalt gegen Schwule und Trans*-Menschen ist an der Tagesordnung, Drogenkonsument_innen landen im Gefängnis, wo sie besonders hohen Infektionsrisiken ausgesetzt sind. Und laut UNAIDS haben nur 28 % der HIV-positiven Menschen der Region Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten, nicht zuletzt auch wegen hoher Preise für HIV-Medikamente (UNAIDS: Regional factsheets. Eastern Europe and Central Asia 2016).

Erschwerend kommt hinzu, dass das internationale Engagement gegen Aids in der Region in den letzten Jahren trotz der zugespitzten Situation immer weiter reduziert worden ist. Einige Geldgeber, wie etwa der Globale Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria, haben sich aus Ländern der Region weitgehend zurückgezogen. Zugleich wird das politische Klima immer schwieriger: Zum Bei-spiel gelten in der Russischen Föderation Organisationen, die Fördermittel aus dem Ausland erhalten, als „Auslandsagenten“ und unterliegen staatlichen Restriktionen.

Vor diesem Hintergrund bleibt die Umsetzung der 90-90-90-0-Ziele von UNAIDS (1) eine ungeheure Herausforderung. Umso mehr gilt es, am Ball zu bleiben getreu dem Motto „Lasst uns den Optimismus nicht verlieren!“, mit dem Michel Kazatchkine, Sondergesandter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für HIV/Aids in Osteuropa und Zentralasien, die Konferenzteilnehmer_innen in seiner Videobotschaft ermutigt hat. Verstärktes Handeln ist auf mehreren Ebenen gefragt: Die internationale Gemeinschaft muss ihr Engagement gegen HIV in der Region verstärken, statt darin nachzulassen und die Verfügbarkeit kostengünstiger Generika durchsetzen. Diese muss auch dafür sorgen, dass Osteuropa von den international gemachten Erfahrungen profitieren kann. Die Länder der Region schließlich sind aufgefordert, die am stärksten betroffenen Gruppen nicht länger zu diskriminieren, um ihnen den Zugang zu Prävention und Versorgung zu ermöglichen. Es zeigt sich weltweit auf eindrückliche Weise immer wieder aufs Neue: Schwule und Männer, die Sex mit Männern haben, Drogenkonsument_innen und Sexarbeiter_innen sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung.

Die vorliegende Dokumentation…

... informiert zunächst über die Konferenz selbst: Sie gibt Einblick in die Vorträge und Präsentationen zum Einstieg in das Thema und berichtet anschließend über die drei Konferenzpodien zur Situation der zielgruppenspezifischen Prävention in Osteuropa, zu den Realitäten der HIV-Behandlung und –Versorgung in der Region sowie Möglichkeiten, um die Epidemie in Osteuropa zu bewältigen. Dabei werden die Berichte der Expert_innen zusammengefasst. Im zweiten Teil der Dokumentation finden sich Artikel und Informationen zur Konferenz selbst (Unterlagen zur Pressekonferenz, Präsentationen) sowie zum Rahmenprogramm. Der Anhang schließlich enthält die Einladung zur Konferenz und das Konferenzprogramm.
Mit dieser Dokumentation wenden wir uns an alle, die an der Konferenz teilgenommen und mit ihrem Fach- und Er-fahrungswissen zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben – ihnen allen sei an dieser Stelle noch einmal recht herzlich gedankt. Zugleich möchten wir alle anderen Akteur_innen im Feld „HIV in Osteuropa“ über den aktuellen Sachstand informieren. Mit der Konferenz verbindet sich das Anliegen, sie möge zu einem nachhaltigen nationalen und internationalen Engagement für die HIV-Prävention und -Behandlung in Osteuropa beitragen, das die Mitwirkung der betroffenen Communities ganz selbstverständlich mit einschließt. Wir hoffen damit einen Beitrag geleistet zu haben.

Die Dokumentation ist als PDF auf Deutsch und Russisch verfügbar. Wir bedanken uns bei Igor Lisovskyi für die Übersetzung ins Russische.

Berlin, November 2017

Aktionsbündnis gegen AIDS
Brot für die Welt
Deutsche AIDS-Hilfe

(1) Die 90-90-90-0 Ziele von UNAIDS: Bis 2020 kennen 90% aller HIV-infizierten Menschen ihren Status. 90% aller diagnostizierten Menschen erhalten eine nachhaltige antiretrovirale Behandlung. 90% aller Menschen in Behandlung haben eine nicht nachweisbare Virenlast. Die 0 steht für null Diskriminierung gegenüber HIV-positiven Menschen. (für weitere Informationen siehe UNAIDS: http://www.unaids.org/en/resources/909090 sowie Deutsche AÍDS-Hilfe https://www.aidshilfe.de/meldung/hivaids...)

Aktionsbündnis gegen AIDS, 2018