Globale Krise und Deutschlands Beitrag zur Globalen Antwort 2011: Vierte zivilgesellschaftliche Bestandsaufnahme des deutschen Engagements für die Umsetzung der internationalen HIV/Aids-Ziele seit 2001 - zum Download ...
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Universeller Zugang: auch Zivilgesellschaft und Pharmaunternehmen sind gefragt
Wien, 23.7.2010 – Die Internationale Aids-Konferenz in Wien geht heute zu Ende. In den vergangenen fünf Tagen haben rund 25.000 TeilnehmerInnen aus über 180 Ländern das Thema HIV/Aids wieder ganz hoch auf die Agenda gehoben.
„Erfreulich viele TeilnehmerInnen kamen aus Osteuropa, der Schwerpunktregion dieser Konferenz. Sie hatten hier eine gute Gelegenheit, ihre Länder zu präsentieren. Dazu hat auch beigetragen, dass russisch die zweite Konferenzsprache war. Der Erfahrungsaustausch zu HIV/Aids ist besonders wichtig, denn die Erfahrungen aus dem sogenannten Süden können sehr hilfreich sein, um die Ausbreitung von HIV/Aids in Osteuropa erfolgreich zu bekämpfen“, so Frieder Albert von Connect plus.
Wiederholt zeigten sich TeilnehmerInnen besorgt, dass der universelle Zugang zu Behandlung in weite Ferne rücken könnte. "Dabei gilt es nicht nur den Zugang zu Prävention und Medikamenten, sondern auch zu unentbehrlichen Diagnostika sicherzustellen. Diese müssen so beschaffen sein, dass sie auch in Entwicklungsländern problemlos eingesetzt werden können. Auch der Preis dafür muss fallen", so Astrid Berner-Rodoreda, Sprecherin des Aktionsbündnis gegen AIDS und HIV-Beraterin bei Brot für die Welt. Laut Berechnungen darf der CD4-Test nicht mehr als 4 US$ kosten, damit man ihn flächendeckend in ärmeren Ländern in der Therapie einsetzen kann. "CD4 und Viruslasttests sind wichtig um herauszufinden, ob die Therapie noch erfolgreich ist oder auf eine neue Therapielinie umgestellt werden muss. Hier ist die Industrie gefragt, in neue und lokal angepasste Diagnostika zu investieren."
Der Einfluss von Patenten auf den Preis für anti-retrovirale Medikamente war Gegenstand mehrerer Diskussionen. „Ohne Wettbewerb mit Generika sind Medikamente nicht bezahlbar. Daher ist es wichtig, dass Patente auf Medikamente, die nur geringfügig geändert werden ohne dass ihre Wirkung verbessert wird, ausgeschlossen werden. Alle Regierungen sollten ihre Patentgesetze entsprechend ändern“, fordert Dr. Christiane Fischer, Sprecherin des Aktionsbündnis gegen AIDS und Geschäftsführerin der BUKO Pharma-Kampagne. Ein Bespiel dafür ist das wichtige AIDS-Medikament Tenofovir. Tenofovir, das heute zur Einstiegstherapie verwendet wird, wurde bereits 1985 erfunden. Das Pharmaunternehmen Gilead änderte Tenofovir lediglich um ein Salz und beantragte daraufhin in vielen Ländern Patentschutz. „Indien allerdings lehnte Gileads Patentantrag ab, denn das indische Patentrecht schließt Patente auf bloß geringfügige Änderungen aus. Somit ist der Weg für Wettbewerb mit Generika offen. Das hat auch dazu geführt, dass die Weltgesundheitsorganisationen das Medikament in die Therapierichtlinien aufnahm“, freut sich Dr. Christiane Fischer. Doch ein Wehrmutstropfen bleibt. Indische Generikahersteller dürfen aufgrund von Lizenzverträgen mit Gilead das günstigere Medikament nicht in Länder mittleren Einkommens, wie zum Beispiel Brasilien oder Russland, exportieren. „Dies ist eine Strategie der Pharmaindustrie, Länder mittleren Einkommens von günstigen Medikamenten auszuschließen und Technologietransfer zu verlangsamen“, erklärt Veriano Terto, Direktor der brasilianischen Nichtregierungsorganisation ABIA.
"Auch kann nicht toleriert werden, dass die Pharmaindustrie TeilnehmerInnen dazu missbracht, Werbung für ihr Unternehmen zu machen", konstatieren die Sprecherinnen des Aktionsbündnisses. Bei der Registrierung hat jede/r TeilnehmerIn eine Dauerkarte für den Kongress erhalten, auf dessen Band nicht 'Internationale Aidskonferenz' oder 'AIDS 2010', sondern lediglich 'Bristol-Meyers-Squibb' steht. "Dies werden wir offiziell bei der Internationalen Aidsgesellschaft beanstanden. Bisher wurden diese Bänder immer neutral gehalten. Das muss 2012 in Washington auch wieder der Fall sein", so Berner-Rodoreda und Fischer.
Über uns
Das AKTIONSBÜNDNIS GEGEN AIDS ist ein Zusammenschluss von über 100 Organisationen der Aids- und Entwicklungszusammenarbeit sowie mehr als 280 lokalen Gruppen. Der Ausbau der finanziellen Ressourcen zur weltweiten HIV-Prävention sowie der Zugang zur Therapie sind die zentralen Anliegen des Bündnisses. Weitere Information über uns sind unter www.aids-kampagne.de erhältlich.
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Pressekontakt
- Astrid Berner-Rodoreda
+49 (0) 172/ 625 84 12
a.berner-rodoreda(at)brot-fuer-die-welt(dot)org - Beate Ramme-Fülle
Tel. +49 (0) 176 / 83 25 36 25
rammefuelle(at)aids-kampagne(dot)de









