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1.  Podium: Kirche hat AIDS - Verdrängen – verschweigen – vergessen?

Eindrücke von der Podiumsdiskussion

Was bedeutet für Sie der Satz „Kirche hat Aids“? So lautete die Einstiegsfrage an Canon Gideon Byamugisha aus Uganda.

Er war der erste afrikanische Priester, der sich öffentlich dazu bekannte, HIV-positiv zu sein. „Ich bin in einer Familie mit neun Kindern aufgewachsen. Drei meiner Geschwister starben an Aids. Ich habe meine Eltern und meine Frau verloren. Ich selbst bin HIV positiv und habe für 20 Kinder zu sorgen, die alle durch die Seuche zu Waisen oder Halbwaisen wurden. Das bedeutet für mich ‚Kirche hat Aids’“, antwortete der anglikanische Priester. In seiner Heimat Uganda hat Byamugisha ein Netzwerk von HIV-betroffenen religiösen Führungskräften und vielen andere Einrichtungen im Bereich der HIV/Aids-Arbeit gegründet, um das Schweigen über die Pandemie zu brechen.

„Kirche hat Aids bedeutet, Woche für Woche, Jahr für Jahr, Menschen zu beerdingen. In meinem Land stirbt alle drei Stunden ein Mensch an Aids. Wir müssen bei den Mensche sein und helfen – es geht um die Zukunft unserer Länder“, so Bischof Franklyn Nubuasah . Als apostolischer Vikar von Francistown verantwortet der 62 jährige Steyler Missionar die kirchliche Aids-Arbeit in Botswana, einem Land mit einer der höchsten Aids-Raten der Welt.

„Wer jemals behauptet, HIV habe mit einer Sünde zu tun habe, der hat das Evangelium falsch verstanden. Der spricht nicht im Namen der Kirche, der spricht nicht in meinem Namen“, erklärte Nubuasah unter lautem Beifall der anwesenden KirchentagsbesucherInnen. Aufgrund seiner Erfahrungen ist er in der katholischen Bischofskonferenz Südafrikas für Fragen zu HIV/Aids zuständig. Gemeinsam mit Byamugisha forderte der Bischof die Pharmaindustrie auf, bezahlbare Aids-Medikamente verfügbar zu machen, besonders, um HIV positive Kinder behandeln und die Mutter-Kind-Übertragung verhindern zu können.

Gudrun Kopp MdB, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, appellierte an die Kirchenvertreter, sich verstärkt an Präventionskampagnen zu beteiligen.

Canon Gideon Byamugisha verwies dabei auf den Zusammenhang von Bewusstseinsbildung und Prävention: „Nur wenn wir das Stigma und die Diskriminierung von Menschen mit HIV Aids durchbrechen, haben die Menschen den Mut, sich testen zu lassen. Nur wer um seine Infektion weiß, kann andere vor Ansteckung schützen“, so der Priester.

  • Ihr Fachkreis Theologie und Ethik

Die Agenda

  • Zwischen Verurteilung und Compassion
    Canon Gideon Byamugisha, Netzwerk der von HIV/AIDS betroffenen Kirchenführer INERELA+, Uganda
  • Verantwortung für Universal Access
    Bericht Dr. Christoph Benn, The Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria, Genf/Schweiz
  • Podium
    • Dirk van Eeden, Direktor HIV Communication and Policy, Abbott International, Abbott, Park, IL/USA
    • Michael Hanfstängl, Direktor Ev.-Luth. Missionswerk Leipzig
    • Bischof Frank Nubuasah, Francistown/Botswana
    • Manfred Weber, HIV+, Elchingen
    • Gudrun Kopp MdB, Parlamentarische Staatssekretärin Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Berlin
  • Moderation
    Burkhard Müller, Bonn
  • Anwältin und Anwalt des Publikums
    Ute Hedrich, Dortmund
    Karl-Heinz Hein-Rothenbücher, Würzburg
  • Musik
    Red Roosters on Bridges, Oldenburg
  • Im Auftrag des gemeinsamen Präsidiums vorbereitet von: Aktionsbündnis gegen Aids, Missio München, Mission EineWelt
  • Donnerstag, 13. Mai 2010, 14.00-15.30
  • Technische Universität, Audimax, Arcisstr. 21 (700/a3)

Die Präsenz des Aktionsbündnis gegen AIDS auf dem ÖKT wird finanziell unterstützt von