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Kunstinstallation Bit.fall von Julius Popp in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis gegen AIDS und missio

Impressionen des Kunstwerks

Für mich waren das viele Gespräche mit vielen unterschiedlichen Menschen. Kontakte, die ich vor diesem Kunstwerk machte, weil ich Menschen davor auf diese Installation ansprach.

Als erstes fiel mir auf, dass sich Menschen ansprechen ließen, dass sie interessiert waren, dass sie sich einließen. Keine einzige Rückweisung erfuhr ich. Anders als manch kirchenleitender Mensch mieden diese Menschen das Kunstwerk und sein Thema HIV / AIDS nicht!

Zu diesem Thema hatte Julius Popp aus dem Internet 700 Wörter herausgezogen, die nun als Wasserkaskaden herunterfielen bzw. den Betrachtenden vor Augen standen: Infektionswege und -raten, Risikoverhalten, Helfer, Geschichte und Geschichten etc.

Manche faszinierte die Technik, andere wurden nachdenklich um das Thema, zu dem die Kaskaden führten, wenn man wollte. Andere gingen hin, fassten an. Kinder sowieso. Manche be-griff, andere hatten "nur" eine nasse Hand. "Was hat das mit HIV zu tun?" Dass die Wörter schwer erkennbar waren tagsüber, dass man sich Zeit nehmen müsse, um sie zu "erlesen", dass ältere Leser es damit schwerer hatten als Jugendliche, wieweit Menschen sich dafür Zeit nahmen - das passte im Gespräch gut zu unserer Zugehensweise auf das Thema HIV: "Je dunkler es wird, desto klarer stehen die Begriffe um HIV uns vor Augen, wenn Sie verstehen ...!" Abends standen die Menschen stiller da, "sprach" bit.fall heller! Und: Viele BesucherInnen kamen mehrfach, um noch einmal nachzuschauen.

Nein, kein Dekor sei das, sondern eine Herausforderung an uns Betrachtende, der wir uns stellen können - oder nicht. Besser: Konnten - oder nicht. Ob nun professionelle Fotografen oder Gruppen von KirchentagsbesucherInnen - viele stellten sich diesem Kunstwerk und seinen Herausforderungen: "Ist bit.fall Ihr/Dein Fall?", "Erreicht Dich/Sie das? Was?", "Wo steht das sonst?". Nirgendwo, denn bit.fall zum Thema HIV / AIDS war hier einmalig zu sehen - und viele haben es gesehen, sind darüber ins Gespräch und ins Nachdenken gekommen, haben womöglich begriffen. Mehr will bit.fall nicht! Durchaus im Sinne des Aktionsbündnisses.

bit.fall im Innenhof der TU beim ÖKT in München, das waren viele Wassertropfen, viele Schritte, viele Gespräche - abends kalte Füße, ein nasser Mantel und eine trockene Zunge - und die Bestätigung der Erkenntnis, dass das Zugehen auf das Thema HIV / AIDS kein Selbstgänger ist, aber lohnt. Dass sich Menschen diesem Thema stellen - oder viele Gründe haben, es nicht zu tun, das beleuchtet ihre Bereitschaft zur Kommunikation. Dass die Kunst uns einen Weg anbietet, etwas zu verstehen, was wir im Kopf oft nicht aushalten, das wurde in jenem Innenhof klar, den Betrachtenden und mir daneben: Sehe ich hin? Nehme ich mir die Zeit? Stelle ich mich? Frage ich nach - auch mich? Hat das was mit mir zu tun - und was? Oder anders: bit.fall - im Aktionsbündnis gegen AIDS!  

  • Geschrieben von Ernst Friedrich Heider

Die Hintergründe

In bit.fall auf dem 2. Ökumenischer Kirchentag geht es Julius Popp in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis gegen AIDS und missio um HIV/AIDS. Ein Computerprogramm übersetzt autonom im Internet erhobene Worte in Sequenzen von Wassertropfen.

Die ausgewählten Worte ergießen sich als Informationswasserfall und lösen sich im Moment ihrer Entstehung wieder auf: Ein Fluss des Wahrnehmens, Verstehens und Interpretierens gefundener und losgelöster Worte. Fließende Information, die durch die Anordnung des Versuchs abgebildet wird, wahrnehmbar und zerfließend - zerflossen und wahrgenommen.

  • Julius Popp, geboren 1973 in Nürnberg, lebt und arbeitet in Leipzig. Absolvent der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst. Weltweite Ausstellungen und Preise. Seine Installationen im Spannungsfeld von Wissenschaft und Kunst erzeugen Bilder mittels autonomer Maschinen, die vielschichtige Regelprozesse in einfache Verhältnisse von Aktion und Reaktion übersetzen und darin Impulse zur Auseinandersetzung geben.
  • Eröffnung bit.fall: Donnerstag, 13. Mai 2010, 12.30-13.00
  • ansonsten Donnerstag, Freitag, Samstag, 11.00-18.00
  • Technische Universität, Innenhof, Arcisstr. 21 (700/a3)

Die Präsenz des Aktionsbündnis gegen AIDS auf dem ÖKT wird finanziell unterstützt von